Der Weg nach Waterloo

Napoleon in seinem Arbeitszimmer von Jacques Louis David
Napoleon Bonaparte verband in seinem Wirken Ideen der französischen Revolution mit absolutistischem Herrscherwillen und grenzenlosem Machtdrang. Ideenreich, aber auch brutal als Staatsmann zerstörte er in Europa das Ancien Regime. Als Feldherr und Truppenführer genoss er großes Ansehen, von seinen Truppen wurde er vergöttert, von seinen Gegnern imitiert. Die Rücksichtslosigkeit seiner kriegerischen Politik trieb ihn im Kampf mit Großbritannien zur Eroberung des Kontinents, die ungeheure Opfer forderte.
 

Napoleon als Erster Konsul der französischen Republik
Im Oktober 1795 wurde Napoleon von den revolutionären Kräften mit der Niederschlagung des royalistischen Aufstandes in Paris beauftragt und nach dem Sieg über die Pariser Sektionen am 5. Oktober zum Befehlshaber der „Armee des Innern“, später zum Oberbefehlshaber der Italienarmee ernannt. Nach dem italienischen Feldzug, bei dem er sich auch als Politiker einen Namen machte (Friedenschlüsse von Leoben, territoriale Umgestaltung Oberitaliens), übertrug ihm das Direktorium den Oberbefehl über die England-Armee und schickte ihn 1798 nach Ägypten. Vorzeitig kehrte er bereits im Oktober 1799 zurück und dank seiner Popularität gelang es ihm, das Direktorium zu stürzen. Die Konsulatverfassung war ausschließlich auf seine alleinige Machtausübung zugeschnitten. Napoleon etablierte im Innern ein exzellent organisiertes, zentralistisches Ordnungssystem, beendete mit dem Konkordat von 1801 mit Papst Pius VII den Kirchenkampf der Revolution, und mit den Friedensschlüssen von Lunéville (1801) und Amiens (1802) gelang ihm die Beendigung des zweiten Koalitionskrieges. Im gleichen Jahr machte er sich zum Konsul auf Lebenszeit und krönte sich selbst letztendlich am 2. Dezember 1804 zum „erblichen Kaiser der Franzosen“.
 

Napoleon dankt in Fontainebleau ab
Bereits 1803 führte der Gegensatz zwischen napoleonischen und britischen Imperialismus
zum Wiederausbruch des Krieges mit Großbritannien. In den nächsten 11 Jahren wüteten die napoleonischen Kriege auf dem Kontinent. 1812 beorderte Napoleon die „Grande Armee“ in den Krieg gegen Russland, der zur Wende der napoleonischen Herrschaft wurde. Die Befreiungskriege zwangen ihn zum Rückzug auf französischen Boden. 1814 drangen die Allierten nach Frankreich ein und bedingt durch Polizeiherrschaft, Steuerlast und Aushebungen, die den Unmut der Bürger schürte, sprach der Senat die Absetzung Napoleons am 2. April 1814 aus. Napoleon dankte ab und zog sich auf die Insel Elba zurück.
 

Napoleon kehrt zurück

Rückkehr aus Elba
.Noch einmal griff Napoleon nach der Macht. Er landete am 1. März 1815 bei Cannes, am 20. März marschiert er in Paris ein. Damit begann seine Herrschaft der Hundert Tage. Sofort antworteten die Alliierten mit der Kriegserklärung und die 7. Koalition zwischen Großbritannien, Österreich, Preußen und Russland wurde am 25. März beschlossen. Napoleon gelingt es in kürzester Zeit eine neue Armee mit mehr als 125 000 Mann aufzustellen.
 

Marschall Michel Ney
Napoleon übernahm das Oberkommando über die Armee, aber er konnte nicht mehr auf seine alte Mannschaft zurückgreifen. Marschall Louis Alexandre Berthier, sein ehemaliger Generalstabschef, war tot. Den Marschall Joachim Murat betrachtete er als Verräter. Andere Marschälle weigerten sich zu dienen, entweder aus Altersgründen oder weil sie Ludwig XVIII. einen Treueid geleistet hatten. Marschall Nicolas-Jean de Dieu Soult, ein fähiger Befehlshaber in selbständiger Stellung, wurde Generalstabschef, obwohl er keine Ausbildung dafür hatte. Marschall Emmanuel de Grouchy sollte erst die Kavallerie führen, wofür er besonders geeignet war. Ihm wurde später der Befehl über den rechten Armeeflügel übertragen, obwohl er nie auch nur ein Korps befehligt hatte. Der linke Flügel wurde Marschall Michel Ney anvertraut, dessen Abfall von den Bourbonen und Übergang zu Napoleon für dessen Triumphzug nach Paris von größter Bedeutung gewesen war. Marschall Louis-Nicolas Davout, der fähigste der Marschälle, blieb zurück, um Paris für den Kaiser zu halten.
 

Arthur Wellesley, Herzog von Wellington
Die alliierte Armee unter dem Befehl von Arthur Wellesley, Herzog von Wellington war ein Konglomerat aus britischen, be4lgischen, holländischen und deutschen Einheiten. Wellington war seit 1796 als Offizier in Indien eingesetzt und wurde 1807 als Staatssekretär nach Irland entsandt. Seit 1808 leitete er das britische Expeditionskorps in Spanien; er besetzte Madrid, wurde 1813 auch OB der spanischen Truppen und drängte die französischen Truppen unter Marschall Soult über die Pyrenäen bis nach Toulouse zurück. 1815 machte man Wellington zum Hauptbevollmächtigten Großbritanniens beim Wiener Kongress. Bei Waterloo trifft Bonaparte zum ersten Mal auf ein militärisches Genie, das dem seinen ebenbürtig ist. Jahrelang hat Wellington Napoleons Kriegstechnik wie ein großes Schachspiel studiert. Fast jeden Zug, den der Kaiser nun macht, kann er präzise voraussagen. Der Herzog weiß, dass die Franzosen seine Soldaten auseinander treiben und einzeln besiegen wollen. Genau das aber soll ihnen nicht gelingen.
 

Marschall Vorwärts

Feldmarschall Gebhard Leberecht Blücher
Gebhard Leberecht Fürst Blücher von Wahlstatt kommandierte zusammen mit Gneisenau die preußische Armee. Blücher, zur Zeit der Schlacht von Waterloo bereits 73 Jahre alt, begann seine militärische Karriere während des Siebenjährigen Krieges in schwedischen Diensten. Anschließend diente er in der preußischen Armee, verließ diese auf eigenen Wunsch 1773 und schloss sich dieser wieder 1787 an. Als Generalleutnant zeichnete er sich während der Revolutionskriege und napoleonischen Kriegen aus. Nach der Völkerschlacht von Leipzig gaben ihm die Russen den Spitznamen „General Vorwärts“. In der Neujahrsnacht 1813/1814 überschritt er bei Kaub den Rhein und eroberte am 30. März Paris. Doch Waterloo sollte seinen Ruhm als volkstümlichster aller Feldherren der Befreiungskriege zementieren.
 

Strategien

Entwicklung zur Schlacht von Waterloo
Von französischen Sympathisanten in den Niederlanden hatte Napoleon eine klare Vorstellung von der Truppendisposition seiner Feinde. Die Armeen waren in loser Korpsformation gruppiert. Die Preußen lagen im Gebiet Lüttich – Dinant – Charleroi – Tirlemont. Wellingtons Armee befand sich im Gebiet Brüssel – Gent – Leuze – Mons – Nivelles. Die Zusammenziehung einer solchen Armee konnte Tage dauern. Die Verbindungslinien beider Armeen führten auseinander. Wellingtons verlief nach Norden, die von Blücher ostwärts nach Deutschland. Bei einem Überraschungsangriff, der sie zum Rückzug zwang, würden die Verbündeten auf diesen Wegen zurückgehen. Napoleon wollte erst die eine, dann die andere Armee schlagen, ohne sich um die jeweils andere kümmern zu müssen. Die Aufstellung Napoleons war für solche Bewegung ideal ausgerichtet. Zwei Flügel unter Ney und Grouchy sollten der Armee vorausgehen und Napoleon in der Mitte folgen, wobei er das Gewicht auf die eine der Flanken werfen konnte.
 

Schlacht von Quatre-Bras von James B. Wollen
Am 15. Juni überschritt die französische Armee die Grenze zu Belgien, bei Anbruch der Nacht nahm Napoleon Quartier in Charleroi. Seine Armee war zusammengezogen und stand zwischen den Verbündeten. Während des Abendessens erfuhr Wellington vom Prinzen von Oranien, dass französische Aufklärer Quatre-Bras erreicht hatten, eine wichtige Straßenkreuzung auf dem Wege der Armee zum Treffen mit Blücher. Er hatte mit einer Überflügelung an seiner rechten Flanke gerechnet und daher damit begonnen, seine Armee bei Nivelles zusammenzuziehen, weit entfernt von Quatre Bras und Sombreffe. Glücklicherweise hatte der niederländische Befehlshaber bei Quatre Bras die Bedeutung des Kreuzweges erkannt und sich über die Befehle, nach Nivelles zu gehen, hinweggesetzt. Zwei Brigaden hielten jetzt diesen wichtigen Punkt, der 55 km von Brüssel entfernt war. Die Kreuzung konnte durch die Niederländer und nach und nach eintreffende britische und braunschweigische Verstärkungen den ganzen 16. Juni hindurch gehalten werden (Schlacht bei Quatre-Bras).
 

August Neidhardt Graf von Gneisenau
Am gleichen Tag stellten sich die Preußen in einer vorher ausgekundschafteten Stellung dem französischen Angriff und wurden bei der Schlacht bei Ligny schwer angeschlagen. Grouchy konnte jedoch keinen entscheidenden Sieg erringen, weil seine Reserven zu lange für den Marsch von einem Flügel zum anderen brauchten. Immerhin mussten sich die Preußen zurückziehen. Blücher war in der Schlacht verwundet und beinahe gefangen genommen worden. Das Kommando führte in der folgenden Nacht sein Generalstabschef General Gneisenau, der dafür sorgte, dass der Rückzug nicht in östlicher sondern in nördlicher Richtung auf Wavre erfolgte, von wo die Preußen entweder Wellington zur Hilfe kommen oder sich nach Osten zurückziehen konnten.
 

Napoleon auf dem Weg nach Waterloo

Die Braunschweiger bei Quatre-Bras von R. Knotel
Nachdem Wellington am Morgen des 17. Juni von der Niederlage der Preußen in der Schlacht bei Ligny und deren Rückzug auf Wavre erfahren hatte, brach er um 10 Uhr von Quatre-Bras auf und nahm Stellung zwischen dem Städtchen Braine l'Alleud und dem Meierhof Papelotte. Seine Hauptmacht hatte er bis zum Morgen des 18. Juni in zwei Abteilungen beiderseits der Straße von Charleroi nach Brüssel auf einem von Westen nach Osten laufenden Höhenzug aufgestellt. Vor der Front des rechten Flügels lag das Schloss Hougomont, in der Mitte die befestigte Farm La Haye Sainte, vor dem äußersten linken Flügel die Gehöfte Papelotte und La Haye.
 

Napoleons letzte Inspektion vor der Schlacht von Waterloo von J.P. Beadle
Wellington musste nach dem unglücklichen Ausgang der Schlacht bei Ligny erwarten, von Napoleons Hauptmacht angegriffen zu werden, und beschränkte sich daher bis zur Ankunft der Preußen auf eine absolute Verteidigung. Napoleon hatte seines Gegners Stellung sorgfältig bedacht und die Truppen erst gegen 10 Uhr vormittags aus ihren Nachtlagern aufbrechen lassen. Er stellte sie ungefähr 2 km von dem Feind entfernt so in Schlachtordnung auf, dass die Infanterie zwei Treffen, die Kavallerie ein drittes bildete.
 

Ausgangssituation am Morgen
Napoleons Plan war, den Hauptangriff auf den linken Flügel Wellingtons zu richten; ein Sturm auf Hougomont sollte diese Bewegung maskieren und einen Teil der feindlichen Kräfte dorthin ziehen. Doch das Glück war auf Wellingtons Seite, der Himmel öffnete seine Schleusen und eines der berühmtesten Gewitter der Weltgeschichte geht nieder. Der starke Regen machte sofort alle Straßen unpassierbar. Bonaparte muss die Schlacht auf den nächsten Tag verschieben. Das Unwetter erlaubt es Wellington, sich in günstigeres Gelände zurückzuziehen. Napoleon konnte daher erst um 11.30 Uhr das Zeichen zum Angriff geben.
 

Die Schlacht beginnt

Das Tor von Hougoumont
Am 18. Juni rückte die 6. französische Infanteriedivision unter Jérôme Bonaparte um 11.30 Uhr gegen das Schloss Hougomont vor. Das davor liegende Lustwäldchen fiel nach mehrstündigem Gefecht in die Hand der Franzosen, der Verlust führte jedoch zu umso hartnäckigerer Verteidigung des Vorhofes und des Schlosses selbst durch ein britisches Gardeinfanterieregiment mit Verstärkung durch Braunschweiger und Nassauer Abteilungen.
 

Die Eroberung einer französischen Batterie (Ernest Crofts)
Der Angriff auf den linken Flügel der Alliierten wurde durch das Feuer von 70 Geschützen eröffnet; doch verzögerte er sich etwas, da Napoléon gegen 13.30 Uhr die unerwartete Nachricht vom Anmarsch der Preußen in seiner rechten Flanke erhielt. Darauf reagierte er aber nur zögerlich und unzureichend.
 

Marschall Ney an der Spitze seiner Truppen
Ebenfalls gegen 13.30 Uhr griff Marschall Michel Ney mit der Infanterie des I. Korps unter General d'Erlon La Haye Sainte an. Dieser Hof wurde von dem 2. leichten Bataillon der Kings German Legion (KGL) unter Major Baring (knapp 400 Mann), später verstärkt durch Schützen des 5. Linienbataillons KGL, des 1. leichten Bataillons KGL, einige Nassauer und das Feldbattaillon Lüneburg (s. Carl Jacobi), gehalten. Die Franzosen konnten La Haye Sainte nicht erobern, sondern drangen unter großen Opfern um den Hof herum vor und versuchten die Hügel zu stürmen, auf denen die Niederländer postiert waren. Als diese nachgaben, griffen General Picton mit zwei Infanteriebrigaden (die 8. unter Sir James Kempt und die 9. unter Sir Denis Pack) und dann Somerset und Ponsonby mit der 1. und der 2. britischen Kavalleriebrigade Reiterei an. Sie warfen die Franzosen zurück und verfolgten sie bis unter ihre Batterien; die Generäle Picton und Ponsonby fanden dabei den Tod. Von der britischen Kavallerie blieb fast die Hälfte auf dem Schlachtfeld. Aber der erste große Angriff war abgeschlagen, und 3.000 Franzosen waren in Gefangenschaft geraten.
 

Infanterie rückt zu langsam nach

Französische Kavallerie greift an
Nach einer Pause, während der die Franzosen eine furchtbare Kanonade mit 84 Geschützen eröffneten, unternahm die französische Reiterei (40 Schwadronen) einen zweiten Angriff, um zwischen La Haye Sainte und Hougomont durchzubrechen. Trotz des Kartätschenhagels erklomm sie die Höhe; erst als sie auf 30 Schritt an die englischen Karrees herangekommen war, eröffneten diese ein verheerendes Feuer. Zugleich stürmte die verbündete Kavallerie hervor und warf die französische Reiterei zurück. Auch deren zweiter Versuch scheiterte am Widerstand der Alliierten, ebenso ein dritter, der mit mehr Nachdruck unternommen wurde und dem die französische Reiterei durch Kellermanns schwere Reiterei und den Rest der Kaiserlichen Garde auf 77 Schwadronen verstärkt worden war. An der Kavallerieattacke beteiligten sich im Laufe der Schlacht mehrfach Einheiten, die möglicherweise nicht an diesem Angriff hatten mitwirken sollen, sondern sich von der Masse der stürmenden Kavallerie mit in den Kampf reißen ließen. Dies ergibt sich jedenfalls aus französischen Quellen und Aussagen, deren Wahrheitsgehalt allerdings unterschiedlich bewertet wird. Die Angriffe scheiterten unter anderem daran, dass die Infanterie nicht rechtzeitig nachrückte, um die Attacken zu unterstützen.
 

Die Verteidigung von Le Haye Sainte durch die Königlich Deutsche Legion (Adolf von Northern)
Unterdessen tobte der Kampf der Infanterie um den Besitz der Dörfer und Gehöfte. Hougomont wurde trotz immer neuer Angriffe von den Alliierten behauptet, La Haye Sainte musste aber zwischen 17 und 18 Uhr geräumt werden, da die Munition trotz mehrfacher Anforderungen nicht geliefert worden war. Die KGL war mit Baker Rifles ausgerüstet, die ein anderes Kaliber hatten als die Gewehre der Linientruppen, und daher nicht benutzt werden konnten. Von den Männern waren nur noch 42 einsatzfähig. Wellingtons Heer war fast bis auf die Hälfte zusammengeschmolzen. Auch die Franzosen hatten große Verluste erlitten; aber sie waren bis dicht an die Linie der Verbündeten vorgedrungen und durften hoffen, sie durch immer neue Vorstöße zu ermüden und endlich zu vernichten. Doch im Vertrauen auf die von Blücher zugesagte preußische Hilfe hielt Wellington stand, angeblich mit den Worten "Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen". Wellington wurde seit 10 Uhr über eine eigens eingerichtete Kurierkette laufend über die Preußischen Bewegungen und Planungen informiert.
 

Friedrich Wilhelm Bülow
Und die Preußen erschienen wirklich. Trotz der Mühen und Beschwerden, welche die durch den Regen aufgeweichten Wege den marschierenden Kolonnen bereiteten, erreichten die Spitzen von Bülows Korps nach 13 Uhr den östlichen Rand des Schlachtfeldes bei St. Lambert, und um 16.30 Uhr konnte Bülow zunächst mit zwei Brigaden, ab 17.30 Uhr mit seinem ganzen Korps bei Frichemont zum Angriff auf General Lobau übergehen, der mit zwei Divisionen den Preußen entgegengeschickt worden war, um sie aufzuhalten. Doch dazu war Lobau bereits zu schwach. Er musste sich auf Planchenoit, ein Dorf ungefähr im Rücken des französischen Zentrums, zurückziehen, um dessen Besitz sich nun ein hitziger Kampf entspann.
 

Die Garde wird zusammengeschossen

Preußische Truppen stürmen pPancenoit
Napoleon schickte General Lobau 12 Bataillone der Jungen Garde mit 24 Geschützen zu Hilfe, um Planchenoit in jedem Fall gegen die inzwischen auf 45.000 Mann verstärkten Preußen zu halten. Er selbst beschloss, mit einem letzten großen Schlag, ehe Planchenoit gefallen war, Wellingtons Schlachtlinie zu durchbrechen und so eine Niederlage abzuwenden. Die verbleibende einsatzbereite Infanterie von d'Erlons I. Korps und 10 Bataillone der Kaisergarde gingen zum Angriff vor. Welllingtons Männer erwarteten sie bereits und obwohl die Garde durch die erste Line brach, gelang es einer britischen Brigade sie zu stoppen. Sie hatten sich im Kornversteckt und empfingen Napoleons Garde auf kürzester Entfernung mit einem Geschoßhagel. Das war zuviel für Napoleons Elite. Eine Elite, die bislang noch nie geschlagen wurde, wich. Nur wenige sammelten sich zu Karrees, um die Flucht ihres Kaisers decken zu können.
 

Die Gefangennahme von General Cambronne (Richard Knotel)
Überall waren die Franzosen nun in Auflösung begriffen und sammelten ihre Reste bei Belle-Alliance. Nur die Garde bewahrte einigermaßen ihre Haltung. Ihrem kommandierenden General Pierre Étienne Cambronne wird das Zitat „Die (alte) Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht - la vieille garde meurt, mais elle ne se rend pas“ zugeschrieben. In manchen Quellen wird allerdings behauptet, Cambronne habe angesichts des drohenden Todes durch eine in unmittelbarer Nähe aufgefahrene britische Batterie lediglich „Merde“ („Scheiße“, danach auch „le mot de Cambronne“ genannt) gebrüllt. (Der General ergab sich, überlebte die Schlacht schwer verletzt und schwieg sich bis zu seinem Tode über das „Wort“ beharrlich aus.)
 

Angriff der Scottish Greys
Zu dieser Zeit eroberten die Preußen endlich Planchenoit, drängten dem geschlagenen Feind energisch nach, drückten seinen rechten Flügel völlig ein und verwandelten seinen Rückzug in wilde Flucht. Blücher und Wellington trafen um 21 Uhr bei Belle-Alliance zusammen. Die Verfolgung betrieben die Preußen unter Gneisenaus Leitung mit rastloser Energie die ganze Nacht hindurch. Die Flucht der Franzosen ging über Charleroi und Philippeville nach Laon, wo sich höchstens 2.000 Mann zusammenfanden.
 

Warum verlor Napoleon?

Die Schlacht von Waterloo (William Sadler)
Wellington beschrieb später die Schlacht als 'a damned near-run thing', eine verdammt enge Sache. Die Schlacht war heiß umkämpft und jede Seite hätte gewinnen können. Doch Kommunikationsfehler, Führungskraft und Beurteilung führten letztendlich zur französischen Niederlage.
 

Waterloo
Eine funktionierende Nachrichtenverbindung war der Schlüssel zum Erfolg. Die damals schnellste Nachrichtenübermittlung war die der Meldereiter, doch diese Methode kam nur verzögert an und lief natürlich auch in Gefahr vom Gegner abgefangen zu werden. Bei den zu Grunde liegenden Entfernungen und der Anzahl der Truppenverbände waren fatale Entscheidungen nicht auszuschließen, falls diese Nachrichtenübermittlung nicht funktionieren sollte.
 

Fehlendes Konzept Napoleons

Das letzte Gefecht der Alten Garde
Ney misslang die Einnahme von Quatre-Bras weil er seinen Angriff verzögerte und auf Nachrichten wartete. Ähnlich erging es d´Erlon`s Korps, das wegen konfuser Nachrichtenlage nicht in die Kämpfe bei Quatre-Bras und Ligny eingriff. Napoleon hatte schlicht kein Konzept, solche Fehler auszuschalten.
 

Marschall Emmanuel de Grauchy
In der Wahl seiner Kommandeure bewies Napoleon keine glückliche Hand. Man sagte von Grouchy, er wäre ein guter General, aber die Stiefel eines Marschalls wären ihm eine Nummer zu groß geraten. Er zeigte keine große Initiative, zeigte sich bei der Verfolgung der Preußen zögerlich und ermöglichte es ihnen so, sich umzugruppieren. Es gelang ihm nicht, die Preußen von den Alliierten zu trennen. Ebenso wenig gelang ihm – obschon er mit dem Feind bei Wavre im Gefecht stand – ein gegnerisches Korps vor St. Lambert aufzuhalten. Grouchy entschied zwar die Schlacht von Wavre für sich, da aber war Napoleon bereits auf dem Rückweg nach Paris.
 

Am Abend der Schlacht von Waterloo von William Heath
Ney erwies sich als Kommandeur unfähig, den sich ihm bietenden Vorteil bei der Schlacht von Quatre-Bras auszunutzen und später unterlief ihm ein grober Schnitzer, als er einen Kavallerieangriff ohne Unterstützung von Artillerie und Infanterie befahl.
 

Gordons und Greys an die Front von Stanley Berkeley
Das Wetter spielte ebenfalls eine große Rolle, indem es Napoleon zwang, den Hauptangriffszeitpunkt auf 13:00 zu verschieben. Das war notwendig, um den Boden ein wenig abtrocknen zu lassen. Je schlammiger der Boden, um so schwieriger war es für eine Armee vorzurücken, da der grundlose Morast Stiefel und Räder tief einsinken und Mensch und Tier schneller ermüden ließ. Um die ganze Situation noch zu verschlimmern sorgte die hohe Luftfeuchtigkeit für häufigen Ausfall der Musketen. Hätte Napoleon früher angegriffen, wären die Preußen nicht nah genug ans Schlachtfeld gekommen und der Ausgang der Schlacht wäre möglicherweise anders gekommen.
 

Napoleon an Bord der Bellerophon in Plymouth auf dem Weg ins Exil nach St. Heelna
Letztendlich muss der Kaiser die Verantwortung für die Niederlage übernehmen. Er war der Oberbefehlshaber und seine Fehlentscheidungen führten zum Desaster. Darüber hinaus zeigte er sich zu selbstgefällig, zu arrogant die Unterstützung Frankreichs zur Unterwerfung der Alliierten als sicher anzunehmen.
 

Napoleon auf St. Helena
Am 22. Juni 1815 dankt Napoleon abermals ab und wird auf die kleine Insel St. Helena im Südatlantik verbannt. Nach sechs einsamen und verzweifelten Jahren stirbt er dort am 5. Mai 1821.