Das Gibraltar des Nordens

Im Jahre 963 errichtete der Ardenner Graf Siegfried auf dem Bockfelsen seine Burg, die somit zur Wiege der Stadt Luxemburg wurde. Vor der St.-Michaelskirche wurden, von einer bescheidenen Befestigung umgeben, die ersten Märkte abgehalten. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurden auf der Westseite eine zweite und dritte Ringmauer angelegt, während die Felsen des Alzette- und Petrusstales eine sichere natürliche Verteidigung bildeten. Diese beachtlichen Befestigungen konnten aber die Burgunder unter Philipp den Guten 1443 nicht daran hindern, die Stadt zu überfallen. Sie sollte in der Folge eine wichtige strategische Stellung auf dem europäischen Schachbrett einnehmen. Während vier Jahrhunderten bauten alsdann die besten burgundischen, spanischen, französischen, österreichischen und bundesdeutschen Ingenieure Luxemburg zu einer der stärksten Festungen aus, dem “Gibraltar des Nordens”.
 

Zur Verteidigung dienten drei Festungsgürtel: der innere Gürtel bestand aus Bastionen, der zweite bestand aus 15 Forts und der dritte aus 9 Außenforts, die alle in den Felsen gesprengt waren. Ein außerordentliches Netz von 23 km unterirdischen Galerien – den Kasematten – und über 40.000 m2 bombensicherer Räume waren ebenfalls in den Felsen der Stadt gesprengt. Sie umfassten nicht nur Aufenthalts- und Verteidigungsräume für Tausende Soldaten, sondern auch die Werkstätten des Zeughauses (Arsenals), Küchen, Bäckereien, Schlachthaus usw.
 

Die Befestigungen hatten eine Ausdehnung von 180 ha, während die Stadt mit ihren Unterstädten nur 120 ha einnahm. Als Folge des Londoner Vertrages vom 11. Mai 1867 zwischen den Großmächten wurde die Festung geschleift und nur 10% sind noch heute sichtbar. Die Festungsbollwerke und die nicht minder geschichtsträchtige Altstadt genießen weltweites Renommee. 1994 wurden sie von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen.
 

Die Befestigungen hatten eine Ausdehnung von 180 ha, während die Stadt mit ihren Unterstädten nur 120 ha einnahm. Als Folge des Londoner Vertrages vom 11. Mai 1867 zwischen den Großmächten wurde die Festung geschleift und nur 10% sind noch heute sichtbar. Die Festungsbollwerke und die nicht minder geschichtsträchtige Altstadt genießen weltweites Renommee. 1994 wurden sie von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen.
 

Fort Thüngen und die drei Eicheln
Unter dem Druck einer steigenden Zahl von Einwohnern wird die Stadt im XIV. Jahrhundert mit dem Bau neuer Schutzwälle nach Westen hin erweitert (auf Höhe des heutigen "Boulevard Royal"). Das Stadtgebiet vergrößert sich dadurch von 5 auf 23 Hektar; und erst im letzten Drittel des XIX. Jahrhunderts wird die Stadt endlich diese "Begrenzung" aus dem XIV. Jahrhundert überschreiten.
 

Blick von der Corniche nach Grund
Wie viele Städte im Mittelalter, ist Luxemburg zu einer befestigten Stadt geworden. Auf drei Seiten - im Süden, im Osten und im Nordosten - war sie von den tiefen Tälern der Petruß und Alzette umgeben. Verstärkt durch entsprechende Bauten war sie über diese Steilhänge vollkommen unzugänglich. Auf Seiten der Ebene, im Westen und Nordwesten, versperrten mächtige Wälle und Stadtmauern den Weg.
 

Herzog Philip der Gute (Rogier van der Weyden)
Die Stadt ist vor 1443 niemals einer echten Belagerung ausgesetzt gewesen. In jenem Jahr wird sie jedoch von "Philipp dem Guten, Herzog von Burgund" durch einen Überraschungsangriff eingenommen. Eine neue Epoche zeichnet sich ab für Luxemburg, seit 1354 in den Rang eines Herzogtums erhoben. Es wird in das Gebiet der Niederlande eingegliedert und dadurch in die Auseinandersetzungen zwischen den Valois-Bourbonen und den Habsburgern im XVI., XVII. und XVIII. Jahrhundert hineingezogen.
 

Das rekonstruierte Fort Thüngen, früher ein wichtige Teil der Festung
Die politische Konstellation und die zunehmende Bedeutung der Artillerie lasten auf der Zukunft der Stadt, deren Schicksal sich in den folgenden Jahren nach 1540 entscheidet. Im Kampf, bei dem sich der französische König Franz I. und der deutsche Kaiser Karl V. gegenüberstehen, wechselt viermal die Herrschaft über Luxemburg, um schließlich bei den Habsburgern zu verbleiben. Diese beschließen einen neuen Bau des gesamten Verteidigungssystems. Während der langen, schier unendlichen Arbeiten, die sich über fast 150 Jahre hinziehen, entwickelt sich die befestigte Stadt zu einer Festung.
 

Villa Vauban
Am Ende einer denkwürdigen Belagerung, geführt von Vauban, nimmt Frankreich unter Ludwig XIV. die Festung Luxemburg im Jahre 1684 ein. Vauban überdenkt gänzlich die Verteidigung der Stadt und schafft einen großartigen Verteidigungskomplex im wahrsten Sinne des Wortes, das heißt er flößt mit seinen Bollwerken dem Angreifer Angst ein. An die Habsburger im Jahre 1697 zurückgegeben, erhält die Stadt im XVIII. Jahrhundert den Beinamen "Gibraltar des Nordens". Von den französischen Revolutionstruppen nach einer langen Belagerung 1795 eingenommen, wird die Stadt Luxemburg im Jahre 1815, nach der Gründung des "Großherzogtums Luxemburg", Mitglied des "Deutschen Bundes", Bundesfestung mit einer preußischen Garnison.
 

Napoleon III.
Im XIX. Jahrhundert gerät Luxemburg, nach den Machtkämpfen zwischen Bourbonen und Habsburgern, erneut zwischen die Fronten Frankreichs und Deutschlands. 1867 wäre es wegen der Herrschaft über Festung und Land beinah zum Krieg zwischen Napoleon III. und Bismarck gekommen. Im letzten Moment konnte dies durch die Unterzeichnung des "Londoner Vertrages" verhindert werden: das Großherzogtum wird zum neutralen Staat erklärt und ein großer Teil der Befestigungsanlagen in der Hauptstadt werden geschleift. Neun Jahrhunderte nach ihrer Gründung durch Graf Siegfried verliert die Stadt Luxemburg ihren Festungscharakter. Es bleiben ihr geschichtlich bedeutsame Bauten, beeindruckende Bollwerke und einige Verkehrsprobleme.
 

Während nahezu neun Jahrhunderten war Luxemburg eine befestigte Stadt, ja sogar eine derart mächtige Festung, dass man ihr den Beinamen "Gibraltar des Nordens" gab. Später, als Folge des "Londoner Vertrages" aus dem Jahr 1867, wurde das Großherzogtum zum ewig neutralen Staat erklärt, und die Festung innerhalb weniger Jahre geschleift. Somit verlor die Stadt ihre militärische und politische Bedeutung.
 

Kasematten

Kasematten
Die ersten Kasematten entstanden 1644 zur Zeit der spanischen Fremdherrschaft. Der eigentliche Ausbau der insgesamt 23 km langen unterirdischen Galerien erfolgte 40 Jahre später durch den französischen Militäringenieur und Festungsbauer Vauban und im 18. Jahrhundert durch die Österreicher. Die Befestigungsgänge waren auf verschiedenen Ebenen angelegt und reichten bis 40 m Tiefe hinab. Angesichts dieser eindrucksvollen Festungswerke erhielt Luxemburg den Beinamen “Gibraltar des Nordens”.

Nach der Schleifung 1867 blieben 17 km der Kasematten erhalten. Seit 1933 sind die Bock- und Petruss-Kasematten für Besichtigungen zugänglich. Die Festungsbollwerke und die nicht minder geschichtsträchtige Altstadt genießen weltweites Renommee. 1994 wurden sie von der UNESCO in die Liste des Welterbes aufgenommen.
 

Archäologische Krypta

Archäologische Krypta
Die archäologische Krypta, didaktisches Vorzimmer der Bock-Kasematten, beherbergt die Ursprünge der Stadt Luxemburg. Neben den Konstruktionen der Burg der ersten Grafen von Luxemburg werden, dank moderner Techniken, Überreste der Festung erhalten, geschützt und wieder zur Geltung gebracht.
 

Bock-Felsen

Der Bockfeld
Im Jahre 963 erwarb der Ardenner Graf Siegfried den Bock-Felsen, die Wiege der Stadt Luxemburg, durch ein Tauschgeschäft mit der Trierer Abtei St. Maximin. Der Felsvorsprung, auf dem Siegfried seine Burg errichtete, spielte eine militärstrategisch wichtige Rolle. Auf drei Seiten vom Alzette-Tal umgeben und nur von Westen her zugänglich war der Felsen leicht zu verteidigen. Im Bock-Felsen befinden sich die archäologische Krypta sowie die Bock-Kasematten, die ehemaligen unterirdischen Befestigungsanlagen.
 

Bastion Beck

Beck Bastion
Die Bastion Beck wurde während der ersten spanischen Herrschaft durch Isaac von Traybach an der Stelle des heutigen Konstitutionsplatzes erbaut. Benannt wurde das Fort nach dem damaligen Gouverneur des Herzogtums Luxemburg, Baron Johann von Beck. Während der ersten französischen Herrschaft (1684-1697) wurden die Mauern der Bastion Beck entlang des Petruss-Tales durch Vauban auf ihre heutige Höhe ausgebaut. Nach einer weiteren Verstärkung der Bastion im Jahre 1860 wurde sie sieben Jahre später teilweise abgetragen.
 

Corniche

Corniche
Die Corniche, auch “der schönste Balkon Europas” genannt, verläuft auf den von Spaniern und Franzosen im 17. Jahrhundert errichteten Wällen entlang des Alzette-Tales. Der Weg zieht sich vom Bock-Felsen bis zum unteren Teil der Heiliggeist-Zitadelle, den sogenannten Rondellen.
Bis 1870 war die Corniche an steil abfallenden Stellen mit Treppen versehen; erst nach der Schleifung wurden diese eingeebnet. Auch ein Großteil der mit Schießscharten versehenen Schutzmauern musste weichen und gab somit den Ausblick frei auf das Tal der Alzette, den Stadtteil Grund und das Rham-Plateau.
 

Spanische Türmchen

Spanische Türmchen
Die Spanischen Türmchen entstanden Mitte des 17. Jahrhunderts als Teil der großen Befestigung, die von den Spaniern begonnen und unter Vauban fortgesetzt wurde. Der eigentliche Zweck der Türmchen ist bis heute nicht einwandfrei geklärt. Es soll bis zu 38 solcher Türmchen gegeben haben, jedoch fehlt bislang jeder historische Beweis für diese Annahme.
 

Fort Thüngen

Fort Thüngen
Das Fort Thüngen, benannt nach dem österreichischen Festungskommandanten Freiherr von Thüngen, entstand 1732. Es wurde um das ungefähr 50 Jahre zuvor von Vauban angelegte Verteidigungswerk “Redoute du Parc” herum angelegt. Das Fort war von einem tiefen Graben umgeben und konnte von Obergrünewald aus durch einen 169 m langen unterirdischen Felsengraben erreicht werden. 1836 wurde das Fort von den Preußen erweitert und 1860 nochmals verstärkt.
Das Fort wurde in den Jahren 1870 und 1874 abgerissen. Einzig die drei runden Türme, die sogenannten Drei Eicheln, und die 1991 wieder freigelegten Grundmauern des Forts blieben erhalten. Hier befinden sich das “Musée d'Art Moderne Grand-Duc Jean” nach den Plänen des sino-amerikanischen Architekten Ieoh Ming Pei sowie das Festungsmuseum.
 

Rham Plateau

Rham Plateau
Das Rham-Plateau, zu drei Seiten von der Alzette umspült, war bereits früh besiedelt. Seit dem 15. Jahrhundert wurde es durch den Bau der dritten Ringmauer in den geschützten Teil der Stadt Luxemburg eingebunden. Unter französischer Herrschaft ließ Vauban Ende des 17. Jahrhunderts fünf Militärkasernen errichten. Seit Ende des 19. Jahrhunderts sind in diesen Gebäuden soziale Einrichtungen untergebracht. Von der Vorderseite des Rham-Plateaus aus hat man einen schönen Ausblick auf die militärischen Bauten und Befestigungen des Heiliggeist-Plateaus sowie auf die sogenannte Corniche.
 

Plateau Bourbon

Das Plateau Bourbon, nach dem ehemaligen Fort Bourbon benannt, wurde jahrhundertelang zur Befestigung der Stadt genutzt. Zahlreiche Festungswerke des mittleren und äußeren Gürtels der sogenannten Diedenhofener Front (zum Beispiel Fort Bourbon, Fort Elisabeth, Avancée Thionville, Fort Wallis, Fort Wedell) waren auf dem Plateau angelegt. Nach der Schleifung der Festung wurden erste städteplanerische Maßnahmen auf dem Plateau ergriffen.
 

Heiliggeist-Zitadelle

Heiliggeist-Zitadelle
Im Jahre 1234 wurde das Heiliggeist-Kloster auf dem gleichnamigen Platz gegründet. Durch den Bau der dritten Ringmauer im 14. Jahrhundert wurde das Plateau in den befestigten Teil der Stadt eingegliedert; seinen militärischen Charakter erhielt es im 16. Jahrhundert während der ersten spanischen Fremdherrschaft. Die endgültige Form des Heiliggeist-Felsens geht auf die Jahre 1685 bis 1687 zurück, als der französische Festungsbaumeister Vauban den Standort der Zitadelle ausbaute und die Wälle und Bollwerke zu Bastionen verstärkte.
 

Kultureller Rundweg Wenzel

Wenzel Wall
Der Wenzel-Rundweg, auch “1000 Jahre in 100 Minuten” genannt, ist ein Rundgang durch Zeit und Raum, welcher die Oberstadt mit der Unterstadt verbindet: “Bock”-Felsen, Altstadt, Wenzelsmauer, Alzette-Tal mit seinen außergewöhnlichen Befestigungsanlagen. Dieser
kultur- und naturhistorische Rundweg wurde vom Europarat als exemplarisch eingestuft.
 

Kultureller Rundweg Vauban

Der Vauban Turm
Der Vauban-Rundweg, benannt nach dem französischen Festungsbaumeister Sébastien le Prestre de Vauban (1633-1707), führt durch einen Teil der Festungsanlagen aus dem 17., 18. und 19. Jh: “Bock”-Felsen, Altstadt, Pfaffenthal und Clausen, Fort Niedergrünewald, Fort Thüngen und Fort Obergrünewald.
 

Reduit Lambert

Reduit Lambert
Das 1685 erbaute Reduit Lambert gehörte zu einem Fort selbigen Namens. Es war Bestandteil des Mittelgürtels der Front der Ebene. Das Reduit wurde in den Jahren 1835-36 erneuert und bedacht. In seiner Grundform fünfeckig angelegt, enthielt es zwei Stockwerke und war umgeben von einem noch heute erhaltenen Kasemattennetz mit ausgeprägten Minengängen. Die Schleifungsarbeiten der Jahre 1868-1874 machten das gesamte Fort dem Erdboden gleich. Erst die rezenten Arbeiten am Parkhaus Monterey brachten die Überreste des Reduit Lambert wieder ans Tageslicht.