La Gleize
Peiper erkennt nach einem Blick auf die Karte, dass der direkte Weg nach Westen gesperrt ist. Er realisierte aber, dass eine kleine Bergstrasse nach Norden ihm eine Alternative bietet. Sofort wenden sich Peiper und seine Vorausabteilung in Richtung Stoumont. Eine kleine Abteilung fährt jedoch nach Süden zur gesprengten Brücke. Ohne dass ihre Kommandeure es wissen, ähnlich wie in Baugnez, töten diese Männer 22 Männer, Frauen und Kinder aus Wut über den Verlust der Brücke.
Am 18. Dezember, gegen 13.30, erreichen Peiper und seine Vorhut La Gleize. Dort erteilt Peiper Hans Hennecke von der 1. SS-Panzerkompanie den Befehl, sich via Cheneux nach Neufmoulin zu begeben, die Brücken bei Cheneux und Neufmoulin zu nehmen und nach Werbomont vorzustoßen. Kurze Zeit nachdem Hennecke mit seinen Panthern aufbricht, stürzen sich ca 34 Thunderbolts auf Peipers KG. Die Jabos greifen zunächst Peipers Truppe an, um dann später die gesamte Länge des Fahrzeug Bandwurms bis nach zurück nach Lodome´ zu beharken. Bei diesem Angriff verliert Peiper fünf bis sieben Panzer und SPWs. Auch GIs werden Opfer dieser Angriffe. Teile des 1. und 2. Bataillons des 117. Infanterie Regiments werden nördlich von Stavelot von den Jabo Piloten irrtümlich für feindliche Kräfte gehalten.
Der Vorstoß nach Neufmoulin erweist sich als sinnlos, da die dortige Brücke von US Pionieren in die Luft gejagt wird. Peiper entschließt sich zum Angriff auf Stoumont und auf den weiteren Vormarsch nach Werbomont.
Um 07.00 des 19. Dezember greift Peiper an. Nebel unterstützt ihn und schützt seine Kräfte vor Luftangriffen. Entgegen der US Behauptung, mehr als 40 Panzer hätten Stoumont angegriffen, kommen nur sieben Panther und ein oder zwei Panzer IV zum Einsatz. Doch diese von SS Leutnant Christ angeführten Fahrzeuge der 2. SS Panzer Kompanie, unterstützt von Panzergrenadieren der 9. SS Kompanie sowie Pionieren der 9. SS Pionier Kompanie, sind zuviel für die sich ihnen entgegenstemmenden US Kräfte. Gegen 10.00 ist die Schlacht vorüber und Stoumont in deutscher Hand. Amerikanische Verluste sind hoch. Mehr als 300 sind getötet, verwundet oder (die Mehrzahl) gefangen genommen. Ganz zu schweigen vom Material, das die GIs verlieren. Auf deutscher Seite sind die Verluste gering. Nur ein Panther wird abgeschossen, ein weiterer meldet einen Treffer, ist aber noch einsatzfähig. Deutsche PK Kameraleute halten diesen Angriff für die deutsche Wochenschau im Bild fest.
Doch zwei Dinge störten das Bild. Der Treibstoffvorrat der KG Peiper geht gefährlich zur Neige und die Amerikaner bauen nun mit großer Schnelligkeit ihre Verteidigungspositionen westlich von Stoumont fieberhaft aus. Peiper entscheidet sich nun, den weiteren Vormarsch auf ein Minimum zu reduzieren. Ein Trupp soll Richtung Spa aufklären. Ein anderer den Bahnhof von Stoumont, der sich einige Kilometer weiter westlich befindet einnehmen und Richtung Westen aufklären.
Sieben Panther, ein oder zwei Wirbelwind (Flak) sowie die 11. SS Panzergrenadierkompanie unter der Führung von Christ, verlassen gegen Mittag Stoumont. Christ schätzt die Stärke der Amerikaner auf mehrere Shermans und Infanterie mit Bazookas ein. Das jedoch ist weit von der Realität entfernt. Ihm gegenüber stehenen zwölf Shermans, vier TDs (Tank Destroyers), eine Artillerieselbstfahrlafette, ein Infanteriebataillon, sowie zwei Feldartilleriebataillone direkt gegenüber.
Am späten Nachmittag des 19. Dezember ist der Vormarsch der 1. SS Panzerdivision beendet. Ein Feuerschlag der Amerikaner stoppt Christ`s Verband zwischen Stoumont Dorf und Stoumont Bahnhof. Insbesondere die Panzergrenadiere in ihren oben offenen SPWs erleiden schwere Verluste. Drei Panther werden ausgeschaltet. Der Widerstand der Amerikaner erweist sich als zu groß. Dennoch ist bis zum Nachmittag des 19. Dezember Peipers Vormarsch der Erfolgreichste der deutschen Ardennenoffensive. Er hat 100 km in 72 Stunden zurückgelegt. Zum Vergleich: 64 Jahre später, mit modernster Panzerausrüstung, gelingt es der 1. britischen Panzerdivision im 1. Golfkrieg die gleiche Entfernung in nur zwei Stunden weniger zu überbrücken!
Während Peiper und sein Stab die Lage in der Nacht zum 20. Dezember erörtern, braut sich Ungemach in seinem Rücken, genauer gesagt in Stavelot, zusammen. Den Amerikanern ist es gelungen, Verstärkungen nach Stavelot in Marsch zu setzen, um Peiper vom Nachschub und der Nachhut abzuschneiden. Am 19. Dez. kommt es in Stavelot zwischen US Streitkräften und der 1. SS Panzerdivision zu heftigen Kämpfen. Der Versuch der Deutschen, den Widerstand zu brechen und eine zusammenhängende Front zu errichten, schlägt fehl. Am Abend, gegen19.30, gelingt es sogar US Pionieren, die Brücke zu zerstören. Damit ist Peiper endgültig vom Nachschub und Verstärkung abgeschnitten.
Währenddessen beginnen die Amerikaner mit ihren Angriffs Vorbereitungen auf Stoumont. Schlüssel zu dem Ort ist das Sanatorium St. Edouard, das von katholischen Nonnen geführt wird. St Edouard beherbergt zu diesem Zeitpunkt rund 200 Tuberkulose kranke Kinder, sowie die Nonnen und einige Patres. SS Panzerpioniere verteidigen dieses so wichtige Gebäude. Am frühen Abend gelingt es US Einheiten St. Edouard den Deutschen in einem wüsten Nahkampf zu entreißen. Doch im Laufe der Nacht wechselt das Gebäude drei mal den Besitzer, Am Ende sitzen noch einige US Infanteristen in einem einzigen Zimmer des Sanatoriums.
Auch in und um Cheneux setzen die Amerikaner zum Angriff an. Mittlerweile hat man eine Führerpersönlichkeit in Brigadegeneral Harrison gefunden, der den Angriff auf Peiper koordinieren soll. Harrison war schnell klar, dass St. Edourd der Schlüssel zum Erfolg in Stoumont sein würde und verstärkte seine Bemühungen, endlich das Gebäude vollständig in seinen Besitz zu nehmen.
Gegen Mittag des 21. Dezember, dichter Nebel hüllt das Schlachtfeld ein, beginnt der Angriff. Den ganzen Tag über lösen sich Angriff und Gegenangriff ab. Das Hauptziel jedoch, St. Edourd zu nehmen gelingt nicht. Peiper entschließt sich nun, da schwindende Treibstoff- und Munitionsvorräte jede größere Aktivität unterbinden, Stoumont und Cheneux aufzugeben, um sich in La Gleize einzuigeln. Um nicht den Anschein eines Rückzuges zu geben, läßt er einige Infanteristen in St. Edourd zurück. Ein weiteres Problem für Peiper sind die vielen Verwundeten. In Russland hat es sich die Leibstandarte zu Eigen gemacht, niemanden zurückzulassen, da sie nur zu sehr die Rache der Rotarmisten fürchteten. Zu oft hat man zurückgelassene Verwundete grässlich verstümmelt wieder gefunden. Eher gilt es, ihre eigenen Schwerverwundeten zu töten, als sie ihrem Schicksal zu überlassen. Doch Stoumont ist nicht Ostfront und Peiper läßt daher einen deutschen und zwei US Sanitäter mit 80 deutschen und einigen amerikanischen Schwerstverwundeten zurück.
In der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember haben GIs unter Führung von Captain Berry einen Knüppeldamm von der Hauptstrasse zum nördlichen Teil des Sanatoriums gebaut, um Panzer in Stellung bringen zu können. Diese, und die Tatsache, dass St. Edouard nur von wenigen SS Leuten verteidigt wird, erklären den schnellen Fall des Sanatoriums am 22. Dezember. Es klingt wie ein Wunder, dass nicht einer der Zivilisten und Kinder in diesem Horror Schaden nimmt. Die Schlacht von Stoumont ist beendet. Von den einst 150 Häusern sind 100 unbewohnbar, 35 total zerstört und fünf weitere brennen noch, als die Amerikaner einrücken. Auch Cheneux ist ein einziger Trümmerhaufen. Peipers Männer müssen aus Spritmangel vier LKWs, zwei 75 mm PAK, fünf 105 mm Geschütze, sechs Halbkettenfahrzeuge und vierzehn FLAK Selbstfahrlafetten zurücklassen.










