Operation Hydra

Avro Lancaster
In der Nacht vom 17. auf den 18. August starten rund 600 britische Bomber Richtung Deutschland. 433 sollen Peenemünde angreifen, die übrigen Scheinangriffe gegen diverse Ziele – unter anderem auch Berlin – fliegen, um die deutsche Nachtjagd und Flak zu täuschen. Die Täuschung gelingt vollkommen. Ein Großteil der deutschen Nachtjagd, 158 Flugzeuge  und 55 Tagjagd Maschinen der „Wilden Sau“ versammeln sich über Berlin. Ganze fünf  Nachtjäger vermuten eine List der Engländer und fliegen nach Norden, Richtung Peenemünde. Unterdessen sind britische „Pfadfinder“ über dem Zielgebiet angekommen und stellen fest, dass die Bedingungen nicht so perfekt wie vorhergesagt sind. Stratokumulus Wolken und Fehlangaben auf den Radarschirmen führen zu einem Absetzen der Ziel Markierer zu weit südlich.

Me 110 mit Radarantennen
Mosquito
Um 01.15 beginnt die erste Welle der britischen Bomber mit ihrem Anflug auf Peenemünde. Opfer der falschen Markierung wird das Fremdarbeiterlager Trassenmoor, das völlig zerstört wird. Die zweite Welle belegt die Versuchs-, Erprobungs- und Produktionsanlagen.
Die dritte und letzte Welle trifft erneut Anlagen und Siedlung. Inzwischen sind auch die Deutschen über die Täuschung im Bilde und werfen alle verfügbaren Nachtjäger an die Küste. Doch die meisten Jäger finden keine Beute. Sie suchen in Höhe von
5-6.000 m Höhe. Die Angriffe werden jedoch in 2.000 m  Höhe geflogen. Doch die Maschinen, die Kontakt zu den britischen Bombern finden, machen reiche Beute. Insgesamt werden 41 Bomber, inklusive einer Mosquito, die über Berlin abgeschossen wird, eliminiert. Für die deutsche Nachtjagd bleibt der Peenemünder Angriff in denkbar schlechter Erinnerung. Wegen der völligen Desorientierung der Abwehr und schlechter Kommunikation mit den Flugzeugführern, versuchen über 100 Jäger, zum Teil aus Treibstoffmangel, auf dem Flugplatz Brandenburg-Briest zu landen. Am Ende der Landebahn türmt sich der Schrott von 30 Maschinen, die ineinander gerast waren. Letztendlich haben 30 deutsche Jäger das Peenemünder Zielgebiet erreicht und 24 Bomber über dem Ziel, 18 weitere beim Abflug abgeschossen. 733 Tote werden in den Trümmern Peenemündes gefunden. Davon über 500 allein im Lager Trassenmoor. Unter den Deutschen Wissenschaftlern findet die Familie von Triebwerksspezialist Walter Thiel den Tod.

SS Brigadeführer Hans Kammler.
Zündung!
Nur vier Tage nach dem Angriff werden weit reichende Entscheidungen getroffen. Hitler und Speer entscheiden, für die Serienproduktion der A 4 KZ Häftlinge einzusetzen. SS Brigadeführer Dr.-Ing Hans Kammler wird auf Vorschlag von Heinrich Himmler als Verantwortlicher aller Baumaßnahmen eingesetzt.  Kammlers erste Amtshandlung ist der Beschluss, die Fertigung unterirdisch bei Nordhausen im Harz vorzubereiten. Von Braun verlagert die praktische Erprobung des Aggregats  4 auf den SS Truppenübungsplatz „Heidelager“ in Blizna, ostwärts von Krakau. Man will erstmals die Wirkung der Rakete auf festem Boden beobachten und die Mannschaften für den eigentlichen Einsatz trainieren.

V 2 Tarnfarb-Muster
Der polnischen Widerstandbewegung bleibt der Aufmarsch der Raketenbataillone nicht verborgen., Sie registrieren 130 Flüge bis zum 24. Juli 1944. Es entgeht Ihnen nicht, dass bei der Erprobung der Rakete erhebliche Mängel zu Tage treten. So brechen fast 60 % aller gestarteten Muster zwei bis drei Kilometer vor dem Aufprall auseinander. Die Trümmer werden vom polnischen Widerstand gesammelt, ausgewertet und die Ergebnisse nach London weitergeleitet. Selbst ein fast vollständig erhaltenes Exemplar, das im Morast des Bug landet, wird eingesammelt und in der Nacht des 20. Mai 1944 nach England ausgeflogen.