Wechselvolle Geschichte

Denkmal von St, Wladimir oberhalb des Dnjepr
Laut Nestor Chronik, ein 1113 vermutlich von dem Mönch „Nestor“ im Höhlenkloster von Kiew bearbeitetes mittelalterliches Dokument und eine der wichtigsten schriftlichen Quellen für die frühmittelalterliche Geschichte Russlands, wurde Kiew im 6. Jahrhundert von drei Brüdern namens Kyj, Schtschek und Choriw gegründet, die auf drei Anhöhen Dörfer bauten. Sie errichteten noch eine Festung, die sie nach dem ältesten Bruder benannten – die Stadt von Kyj', altrussisch und ukrainisch Kyjiw. 882 wurde die slawische Stadt Kiew fürstliche Residenz der Rus und Känugard. Bereits im 11. Jahrhundert war Kiew mit etwa 50.000 Bewohnern eine der größten Städte Europas. Am 6. Dezember 1240 wurde Kiew von Mongolen unter Batu Khan (Goldene Horde) zerstört, fast alle Einwohner getötet und nahezu alle Gebäude niedergebrannt. 1569 wurde Kiew zu einer polnisch-litauischen Provinzhauptstadt. 1667 fiel die Stadt nach dem Frieden von Andrusowo an das autonome Kosaken Hetmanat unter russischer Vorherrschaft und wurde Hauptstadt eines russischen Gouvernements. Ab 1920 war Kiew sowjetisch. 1934 wurde die Stadt an Stelle von Charkow Hauptstadt der zur Sowjetunion gehörenden Ukraine.
 

Blick auf Kiew vom Glockenturm der Sophiakathedrale
Heute glänzt Kiew wieder vor Schönheit: Die ukrainische Hauptstadt hat so viele Kunstschätze zu bieten, das man tagelang zwischen prächtigen Kathedralen, geheimnisvollen Katakomben und Prachtstraßen umherwandern kann. Grün und Gold - das sind die Farben Kiews. Von jeder der zahlreichen Anhöhen der Stadt fällt der Blick auf von goldenen Kuppeln bekrönte Klöster und Kirchen und den Ufern des Dnjepr, der hier so breit wie ein See ist.
 

Kiewer Höhlenkloster
Seit der "Orange-Revolution" ist die drei Millionen Einwohner zählende Stadt auch in Westeuropa keine gänzlich unbekannte Größe mehr. Doch noch immer gehört Kiew zu den unentdeckten Metropolen des Kontinents. Das wichtigste Heiligtum Kiews ist das Höhlenkloster. Wer in die engen und dunklen Verliese hinabsteigt, tritt eine Zeitreise zurück ins vorletzte Jahrtausend an. Mit einer brennenden Kerze in der Hand können Besucher die Höhlen besichtigen, in denen die Mönche gelebt und gebetet haben. Später, als der Bau oberirdischer Gebäude erlaubt wurde, dienten die Katakomben nur noch als Begräbnisstätten. Bis heute kann die Wissenschaft nicht erklären, warum die Körper von 123 Heiligen ohne Balsamierung viele Jahrhunderte ohne Anzeichen von Verwesung erhalten blieben.
 

Klosterkirche St. Michael
Seit 1988 ist der Wallfahrtsort, der von den orthodoxen Christen auch als zweites Jerusalem bezeichnet wird, wieder im Besitz der Kirche. Gegenwärtig leben rund 100 Mönche in den Klosteranlagen. Die prachtvoll mit sieben goldenen, bekreuzten Kuppeln verzierte Maria-Himmelfahrtskathedrale, der Große Glockenturm und die erst in den neunziger Jahren wieder aufgebaute Uspenski-Kathedrale gehören zu den sehenswertesten Gebäuden.
 

UNESCO Weltkulturerbe Sophienkathedrale
Wie das Höhlenkloster steht auch die Sophienkathedrale auf der Liste der Weltkulturgüter der Unesco. Nach dem Vorbild der Hagia Sophia in Istanbul errichtet, war sie die Hauptkathedrale der Kiewer Rus. Hier fanden die Inthronisierungen der Kiewer Fürsten und prunkvolle Hofzeremonien statt. Eine andere bedeutende Sehenswürdigkeit ist die Goldkuppelkirche des Heiligen Michael. Im 12. Jahrhundert entstanden, wurde das Gotteshaus 1937 von den Kommunisten abgerissen. Von 1997 bis 2000 wieder aufgebaut, ist der mit einer Zentral- und sechs kleineren goldenen Kuppeln versehene Prachtbau der Stolz aller Ukrainer und beliebtes Fotomotiv für Hochzeitspaare.
 

Kiew
Nicht fehlen darf ein Bummel über den Andreasstieg. Die mit Kopfsteinen gepflasterte Hangstraße hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Kunstmeile entwickelt. Mit zahlreichen Kunstgalerien, Boutiquen, Kleinkunstbühnen, Restaurants und Cafés versprüht sie einen besonderen Charme, der ihr auch den Beinamen Montmartre von Kiew eingetragen hat.
 

St. Andreas Kirche
Vor den restaurierten Häusern bieten Händler Antiquitäten und sowjetische Memorabilia an, dazu gibt es Kunst und jede Menge Kitsch. Ihren Namen erhielt die steile Straße von der barocken Andreaskirche, die auf dem gleichnamigen Hügel liegt und von deren Terrasse sich ein schöner Blick auf den Fluss und den Stadtteil Podol bietet. Dieses Quartier ist auch das Hafenviertel der Stadt. Vom Flusshafen legen die Kreuzfahrtschiffe ab, die bis ins Schwarze Meer fahren.