Erich von Manstein (24. November 1887 10.Juni 1973)
Tief in Preußens Tradition verwurzelt, fühlte er sich bis zuletzt dem beeideten Gehorsam verpflichtet. Er widersprach Hitler in militärischen Fragen, doch der Tyrannenmord blieb für ihn ein Tabu. Sich selbst sah er stets als „unpolitischen Soldaten", der tat, was er am besten konnte: Krieg führen. Manstein war ein Könner am Kartentisch, doch kein politisch denkender Stratege. Seine Fähigkeiten in die Dienste eines Verbrechers gestellt zu haben, im Glauben, dem Vaterland zu dienen - darin bestand Mansteins Beitrag zum Untergang jenes Deutschlands, das er als Feldherr glaubte bewahren zu können. Am Ende stand die Katastrophe und seine eigene Erkenntnis, „nach Herkunft und Erziehung auf die Herausforderung der Hitler-Diktatur nicht vorbereitet" gewesen zu sein.
Er galt als gerecht, aber prinzipientreu. Überall bekam er beste Beurteilungen: Seine Untergebenen ließen nichts auf ihn kommen, in der Reichswehr und später in der Wehrmacht machte er eine Bilderbuch-Karriere, und nie war er in irgendwelche Skandale verwickelt. Er war der Architekt von „Fall Gelb“, dem Plan, der 1940 die erfolgreiche Invasion Frankreichs ermöglichte. Anschließend führte er Armeen gegen Leningrad und die Krim und schließlich wurde ihm der Oberbefehl über die Heeresgruppe Süd übertrage. In dieser Position gelang ihm einer der großartigsten Siege in der modernen Kriegsgeschichte, als er trotz numerischer Überzahl und materieller Unterlegenheit die sowjetische Offensive nach der Schlacht von Stalingrad stoppte und im Gegenzug in einer erfolgreichen Gegenoffensive Charkow eroberte.
Obwohl er nie Hitlers finale Autorität als Oberkommandierender der Armee in Zweifel zog, war er dafür berühmt, bei zahlreichen Anlässen sich gegen Hitlers Pläne und Vorstellungen gewehrt zu haben, währenddessen der Generalstab nur zuschaute. Normalerweise hätte solch ein Widerstand eine direkte Entlassung nach sich gezogen, doch Manstein gehörte zu den wenigen Generälen, die in den Augen Hitlers sich mehrfach bewährt hatten. Doch von Manstein – und da stand er nicht alleine – hielt Hitler für einen Dilettanten und machte ihn immer wieder auf Fehler aufmerksam. 1944 lobte Hitler ihn deshalb weg – und versetzte ihn in die Führer-Reserve. Nach dem Kriege verurteilte ihn ein britisches Militärgericht 1949 wegen Kriegsverbrechen zu 18 Jahren Zuchthaus. 1953 vorzeitig aus medizinischen Gründen entlassen, wirkte er später als Berater beim Aufbau der Bundeswehr.
Manstein wurde als Fritz Erich von Lewinski in Berlin als zehntes Kind des preußischen Aristokraten und Artilleriegenerals Eduard von Lewinski (1829–1906) und Helene von Sperling (1847–1910) am 24. November 1887 geboren. Hedwig von Sperling (1852–1925), eine jüngere Schwester von Erichs Mutter Helene, war mit Generalleutnant Georg von Manstein (1844–1913) verheiratet. Als 1896 sein Vater bei einer militärischen Übung stirbt, wird der Sohn von Georg von Manstein adoptiert und erhält den Namen dieses altpreußischen Adelsgeschlechts.
Doch nicht nur „beide“ Väter, auch zwei seiner Großväter waren preußische Generäle, von denen einer ein Korps im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 führte, und der Bruder seiner Mutter. Es bestand auch eine enge verwandtschaftliche Beziehung zu Paul von Hindenburg, dem zukünftigen Generalfeldmarschall und Präsident. So war seine Karriere in der preußischen Armee gesichert.
Preußische Schulausbildung
Erich von Manstein besuchte das Gymnasium in Straßburg (1894–1899), das nach dem Krieg von 1870/71 Teil des Deutschen Reiches geworden war. Ostern 1890 tritt er in das preußische Kadettenkorps in Plön (Holstein) ein. Die letzten vier Jahre verbringt er dann in der Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde bei Berlin. 1906 wird er als Fahnenjunker nach dem Abitur in das 3. Garderegiment zu Fuß einberufen und nach einem Jahr zum Leutnant befördert. In den Jahren 1913/14 besuchte er die Preußische Militärakademie in der Berliner Dorotheenstraße.
Den Kriegsausbruch 1914 erlebte Manstein als Oberleutnant und Adjutant des Garde-Reserve-Regiments 2. Nach schwerer Verwundung und Rückkehr in den Dienst, wurde Manstein 1915 Hauptmann und als Ordonnanz- sowie Generalstabsoffizier in der Armeeabteilung Gallwitz eingesetzt. Anschließend fand er Verwendung bei der 1. Armee und ab Herbst 1917 war er erster Generalstabsoffizier (Ia) der 4. Kavallerie-Division, die an der Ostfront in Estland eingesetzt war. Im Mai 1918 wurde er zur 213. Infanterie-Division an die Westfront versetzt, wo Manstein ebenfalls als Ia verwendet wurde.
Manstein wurde nach dem Krieg in die Reichswehr übernommen und war zunächst beim Grenzschutz-Oberkommando Süd und danach im Stab des Gruppenkommandos II mit Sitz in Kassel eingesetzt. 1920 heiratet er Jutta Sibylle von Loesch, die Tochter eines schlesischen Großgrundbesitzers; eine Ehe, die bis zu ihrem Tode im Jahre 1966 bestehen sollte. Dieser Beziehung erwachsen drei Kinder: Gisela, Gero und Rüdiger. Gero fiel am 29. Oktober 1942 an der Ostfront.
Am 1. Oktober 1921 wurde Manstein Kompaniechef im Infanterieregiment 5 in Angermünde. Ab dem 1. Oktober 1923 folgte wiederum eine Verwendung als Stabsoffizier, zunächst beim Wehrkreiskommando II und anschließend beim Wehrkreiskommando IV in Dresden. Im Herbst 1927 wurde Manstein Generalstabsoffizier beim Infanterieführer IV in Magdeburg und zum Major befördert. In dieser Stellung erfolgte seine Ernennung zum Major. Zu Ende September 1929 wurde Manstein Leiter der Gruppe I in der Operationsabteilung im Truppenamt. Am 1. April 1931 erfolgte die Beförderung zum Oberstleutnant, und anschließend wurde er zum Kommandeur des Jägerbataillons des Infanterie-Regiments 4 in Kolberg ernannt. Mansteins Beförderung zum Oberst erfolgte am 1. Oktober 1933.
Vater des Sturmgeschützes
Die nächste Stufe in Mansteins Karriere stellte die Ernennung zum Chef des Stabes des Wehrkreises II am 1. Februar 1934 dar. Am 1. Juli 1935 wurde er dann Chef der Operationsabteilung im Generalstab des Heeres (OKH). In dieser Position forderte von Manstein eine moderne und geländegängige Unterstützungswaffe, Sturmgeschütze (StuG), für die eigenen Infanterieverbände. Die Konsequenz dieser Anforderungen war ein gepanzertes Vollketten-Fahrzeug, das mit einem kurzen 7,5 cm Infanteriegeschütz bestückt war und eine Höhe von 1,96 m aufwies (zum Vergleich: ein Panzer III Ausführung B/C hatte eine Höhe von 2,45 m). Auf den Einbau eines um 360 Grad drehbaren Turms wurde verzichtet.
Am 1. Oktober 1936 wurde er unter gleichzeitiger Ernennung zum Generalmajor zum Oberquartiermeister I befördert. In der Dienststellung des Oberquartiermeister I war er Vertreter von Generalstabschef Ludwig Beck und traditionell als designierter Nachfolger vorgesehen. Beck und von Manstein waren sich einig in ihrem gemeinsamen Kampf gegen den wachsenden politischen Nazieinfluss in der Wehrmacht. Sie versuchten ebenso, den Stellenwert des Heeres gegenüber der Marine und Luftwaffe zu erhöhen und zogen sich dadurch den Zorn Görings zu. Daher verwundert es nicht, dass Hitler ihn nicht für sehr kooperationswillig einschätzte. Im Verlauf der Fritsch-Blomberg-Affäre wurde Manstein am 4. Februar 1938 dann nicht überraschend auf den Posten des Kommandeurs der 18. Infanteriedivision im schlesischen Liegnitz versetzt. Dort hielt er zum 50. Führergeburtstag eine Rede, in der er bemerkte, dass sich „Deutschland gegen eine feindliche Welt, die Wälle um Deutschland ziehen wolle, um den Weg des deutschen Volkes in seine Zukunft zu sperren, wehren müsse, und das feierliche Gelöbnis für unseren großen Führer allen Gewalten zum Trotz zu leisten, sein Werk auch im Kampf zu bewahren, seinen Willen zu vollstrecken, wohin er uns auch führe!".
Am 18. August 1939 war Manstein im Rang eines Generalleutnants als Chef des Generalstabs der Heeresgruppe Süd im Rahmen des Polenfeldzuges tätig. Zusammen mit Oberst Günther Blumentritt entwickelte er den Operationsplan für die deutsche Invasion Polens, den Fall Weiß. Generaloberst Gerd von Rundstedt akzeptierte Mansteins Plan, der der vorsah, dass die Masse der Panzerkräfte der 10. Armee einen entscheidenden Durchbruch westlich der Weichsel durchführten, um die polnischen Streitkräfte einzukesseln. Der Plan sah weiterhin vor, dass zwei weitere Armeen, die Heeresgruppe Süd unter Generaloberst Wilhelm Lists 14. Armee und Generaloberst Johannes Blaskowitz 8. Armee Flankenschutz für den anschließenden Stoß auf Warschau leisten mussten. Privat äußerte sich von Manstein verhalten bezüglich des Polenfeldzuges, da er sich Polen lieber als Puffer zwischen dem Reich und der Sowjetunion vorstellte.
Nachdem Polen am 27. September formell kapituliert hatte, ordnete Hitler am gleichen Tag an, dass das Oberkommando des Heeres (OKH), unter Leitung von General Franz Halder, einen Plan für einen Feldzug gegen Frankreich und die Beneluxstaaten entwickeln sollte. Doch der Fall Gelb, den das OKH präsentierte war nur eine weitere Version des Schlieffenplanes.
Kritik an "Fall Gelb"
Ende Oktober wurde die Masse der deutschen Armee an die Westgrenze verlegt und Manstein zum Chef des Stabes der Heeresgruppe A unter Generaloberst Gerd von Rundstedt befördert. Wie viele andere jüngere Offiziere kritisierte auch Manstein den uninspirierten Plan für den Fall Gelb, der ihm ideenlos und bar jeden Verständnisses für den Einsatz von Panzerkräften vorkam. Manstein deutete ebenfalls an, dass die Alliierten solch einen Plan erwarteten und dementsprechend bereits Kräfte in den zu erwartenden Angriffsraum verschoben. Daneben wies er darauf hin, dass ein Angriff im Frühling erheblich erfolg versprechender wäre, als ein Angriff im Winter.
Manstein entwickelte seinen eigenen Plan. Er sah in der Neuauflage des Schlieffenplans die große und vor allem berechtigte Gefahr, bei einer Durchführung dieses Plans das Überraschungsmoment aus der Hand zu geben. Er wollte dort den Hauptstoß ansetzen, wo ihn der Gegner wohl am wenigsten erwarten würde. Die Mehrzahl der Panzerverbände sollte durch das für diese Waffengattung eigentlich unwegsame Gelände der Ardennen vorstoßen und anschließend bei Sedan einen Brückenkopf über die Maas gewinnen. Weiter sah der “Sichelschnitt” das Erreichen der Kanalküste bei Abbeville vor, was zugleich das Einkesseln der alliierten Truppen im Norden bedeutete.
Somit würde die Hauptaufgabe bei der Heeresgruppe A liegen. Es war klar ersichtlich, das dies auf harten Widerstand bei den Anhängern des OKH Plans stoßen würde. Auf der einen Seite sahen sich diese zu einer reinen Flankenaufgabe degradiert, auf der anderen Seite sahen sie das Vorhaben, mit Panzern durch die Ardennen vorstoßen zu wollen, als einen zu hohen Risikofaktor oder sogar als reinen Selbstmord an. Nachdem im Januar 1940 ein Kurier mit seiner Messerschmitt Bf 108 auf belgischen Boden mit den Plänen notlanden musste kam es zu Änderung der Pläne. Dies führte dazu, dass Mansteins Plan nahezu vollständig übernommen wurden. Nach dem erfolgreichen Frankreichfeldzug wurde er zum General der Infanterie befördert und erhielt das Ritterkreuz.
Im Februar 1941 war Manstein bis zum September der Befehlshaber des LVI. Panzerkorps, das Generaloberst Erich Hoepner, dem Befehlshaber der Panzergruppe 4, unterstellt war, der wiederum an den Befehlshaber der Heeresgruppe Nord, Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb, berichtete. Aufgabe der Heeresgruppe „Nord“ war die Sicherung der Ostseehäfen, des Baltikums und der Einschluss von Leningrad. Die Panzergruppe 4 unter Generaloberst Hoepner sollte die Speerspitze des Angriffs bilden, während die beiden Infanterie-Armeen jeweils zur Flankendeckung vorgingen. Am 22. Juni griffen Mansteins Truppen an, legten in zwei Tagen 160 km zurück, wobei überfallartig zwei wichtige Brücken über die Düna bei Daugavpils (deutsch Dünaburg) intakt erobert werden konnten. Im nächsten Monat nahm er die Städte Demjansk und Torzhok ein.
Auf eine Weisung des Generalstabes des Heeres vom 08.07.1941 sollte das LVI.Panzerkorps unter Manstein über Nowgorod von Südosten her auf Leningrad vorgehen und das XXXXI.Panzerkorps unter Reinhardt sollte einen Vorstoß über Luga auf Leningrad vornehmen. Eine direkte Flankensicherung, vor allem des LVI. Panzerkorps war nicht vorgesehen, es hatte selbst für seine Flankensicherung zu sorgen. Am 12.07.1941 wird ein Übergang über die Luga genommen und ein erster Brückenkopf gebildet. In ähnlichem Gebiet vorrückend, gelangt das LVI.Panzerkorps ab dem 15.07.1941 in heftige sowjetische Gegenangriffe, die zu einer zeitweisen Einschließung der Truppen und einem Ausweichen in den rückwärtigen Raum, führen. Nur durch Zuhilfenahme von Teilen der 18.Armee kann die Lage etwas entspannt werden. Daraufhin wurde der Vormarsch gestoppt. Im weiteren Verlauf der Operationen im August 1941 wurde die 34. sowjetische Armee südlich des Ilmensees zerschlagen.
Chef der 11. Armee
Im September wurde Erich von Manstein im Alter von 53 Jahren als Nachfolger für den gefallenen Generaloberst Ritter von Schobert zum Oberbefehlshaber der 11. Armee im Südabschnitt ernannt. Während dieser Zeit erhielt er den "Reichenau-Befehl", der Soldaten der Wehrmacht zu Verbrechen an der sowjetischen - insbesondere jüdischen - Bevölkerung aufrief und diese legitimierte. Unter anderem hieß es darin wörtlich: „Der Soldat ist im Ostraum nicht nur ein Kämpfer nach den Regeln der Kriegskunst, sondern auch Träger einer unerbittlichen völkischen Idee und der Rächer für alle Bestialitäten, die deutschem und artverwandtem Volkstum zugefügt wurden. Deshalb muss der Soldat für die Notwendigkeit der harten, aber gerechten Sühne am jüdischen Untermenschentum volles Verständnis haben. Sie hat den weiteren Zweck, Erhebungen im Rücken der Wehrmacht, die erfahrungsgemäß stets von Juden angezettelt wurden, im Keime zu ersticken.“
Von Manstein hielt es nicht für nötig, sich von diesem barbarischen Befehl zu distanzieren; im Gegenteil. In seinem Tagesbefehl vom 20.November 1941 hatte er unter anderem verkündet: "Das Judentum bildet den Mittelsmann zwischen dem Feind im Rücken und den noch kämpfenden Resten der Roten Wehrmacht und der Roten Führung...Für die Notwendigkeit der harten Sühne am Judentum, dem geistigen Träger des bolschewistischen Terrors muss der Soldat Verständnis aufbringen"
Nach schweren Gefechten am Dnjepr und bei Perekop erreichten seine Truppen im Oktober den Nordübergang zur Krim. Während das Zentrum der Halbinsel schnell besetzt werden konnte, waren die sowjetischen Truppen in der am Südwestzipfel gelegenen Hafenstadt Sewastopol zur verbissenen Verteidigung entschlossen. Dieser damals als stärkste Festung der Welt geltende Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte wurde von etwa 200.000 Mann verteidigt und verfügte außerdem über ausgedehnte Grabennetze, Großraumbunker, mächtige Artillerie und Festungswerke sowie eine beträchtliche Anzahl an Minenfeldern. So scheiterte im Winter 1941 auch ein erster Versuch von fünf deutschen Divisionen, die äußeren Festungswerke im Sturm zu nehmen
Die Sowjets nutzten die monatelange Belagerung, um neue Stellungen, Bunker und Minenfelder anzulegen. Die Versorgung der eingeschlossenen Truppen auf dem Seeweg konnten die Deutschen aufgrund ihrer schwachen Präsenz im Schwarzen Meer kaum unterbinden.
An der nur 35 Kilometer breiten Front zog Manstein neun deutsche und rumänische Divisionen zusammen. Nach massiven Luft- und Artillerieeinsätzen begann am 7. Juni 1942 der Angriff auf den ersten von drei Verteidigungsringen um die Festung, der zweieinhalb Wochen später fiel. Entschieden war die Schlacht um Sewastopol, nachdem die Wehrmacht für die Verteidiger überraschend am 29. Juni mit Sturmbooten das befestigte Südufer der Sewernaja-Bucht einnahm. Die vollständige Besetzung der Stadt und des Hafens stieß nach dem Angriff auf die sowjetische Flanke auf nur noch geringen Widerstand. Am 1. Juli 1942 war die letzte Bastion der Roten Armee auf der Krim von den Deutschen erobert. Mit dem Fall des südwestlich der Festung gelegenen Brückenkopfs Chersones drei Tage später war die Halbinsel vollständig in deutscher Hand.
Die Wehrmacht kostete die einmonatige Erstürmung des wichtigsten sowjetischen Flottenstützpunkts im Schwarzen Meer annähernd 6.000 gefallene oder vermißte Soldaten. Die Rumänen verloren 1.900 Mann. 97.000 Rotarmisten gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Mit der Eroberung der Halbinsel erkämpfte die 11. Armee bedeutende strategische Vorteile und die Flankensicherung für die deutsche Sommeroffensive von 1942 in Richtung Don und Kaukasus.
Beförderung zum Generalfeldmarschall
Für diesen besonders großen Sieg wurde Generaloberst (07.03.42) von Manstein am 01.07.42 zum Generalfeldmarschall befördert. Im Mai 1942 hatten seine Truppen am anderen Ende der Krim, an der so genannten Landenge von Kertsch, einen weiteren großen Sieg errungen und im Zuge des Unternehmens "Trappenjagd" zwei sowjetische Armeen zerschlagen und dabei 170.000 Gefangene gemacht. Unmittelbar nach dem Sieg von Sewastopol sollte Erich von Manstein einen solchen Sieg im Nordabschnitt der Ostfront ein weiteres Mal erringen. Seine Aufgabe war es, das seit dem Winter 1941 eingeschlossene Leningrad endlich in die Knie zu zwingen. Die Angriffspläne waren schon so gut wie fertig, als das Unternehmen schließlich abgeblasen werden musste.
Am 22.11.42 wurde von Manstein zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Don ernannt, die später wieder in Heeresgruppe Süd umbenannt wurde. Wenige Wochen zuvor hatte er seinen ältesten Sohn Gero verloren, der als Leutnant der Infanterie im Osten gefallen war. Während der schweren Krise von Stalingrad zum Jahreswechsel 1942/43 sollte das „operative Genie“ erneut das Ruder an der Ostfront zu Gunsten der Deutschen herumreißen. Erich von Manstein übernahm die Führung einer neuen Heeresgruppe am Don und begann am 12. Dezember mit Teilen der 4. Panzerarmee unter Hermann Hoth einen Entsatzangriff aus dem Raum Kotelnikowo, der bis 48 Kilometer an die Stadt heranführte, dann zwang eine sowjetische Gegenoffensive gegen die 8. italienische Armee (Gariboldi) zur Einstellung des Angriffs. Der letzte Ausweg, ein den Ausbruch einleitender Entlastungsangriff der 6. Armee (Unternehmen „Donnerschlag“), wurde wiederum von Hitler untersagt. Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Don konnte er jedoch nach dem fehlgeschlagenen Rettungsversuch (Unternehmen "Wintergewitter") von Hermann Hoth nur noch eine Frontbegradigung durchführen.
Um einer Einkesselung durch die Rote Armee zu entgehen, befiehlt Manstein ohne Rücksprache mit dem Führerhauptquartier den Rückzug seiner Heeresgruppe A.
Hitler ist mit dem Rückzug der Heeresgruppe A nicht einverstanden. Er fordert Manstein zu einem neuen Angriff auf, in den dieser trotz Kritik einwilligt.
Anfang Februar 1943 gruppierte Manstein seine Kräfte um. Aus seiner Heeresgruppe Don und der Heeresgruppe B entstand die Heeresgruppe Süd.
Hitler ist mit dem Rückzug der Heeresgruppe A nicht einverstanden. Er fordert Manstein zu einem neuen Angriff auf, in den dieser trotz Kritik einwilligt.
Anfang Februar 1943 gruppierte Manstein seine Kräfte um. Aus seiner Heeresgruppe Don und der Heeresgruppe B entstand die Heeresgruppe Süd.
Mansteins Meisterwerk
Auf dem Südflügel entwickelte sich im Raum Charkow-Belgorod die Lage sehr kritisch. Am 9. Februar musste die Gebietshauptstadt Belgorod, und dann am Morgen des 16. Februar auch Charkow geräumt werden, um der drohenden Einkesselung zu entgehen. Um die im freien Raum operierenden Armeen bis zum Aufbau einer neuen Abwehrfront aufzufangen, wurden aus dem Westen das SS-Panzerkorps mit der 1. SS-Panzerdivision "Leibstandarte", der 2. SS-Panzerdivision "Das Reich" und der 3. SS-Panzerdivision "Totenkopf" eilig herangeführt. Die Heeresgruppe B gab mit gleichem Auftrag die Panzerdivision "Großdeutschland" ab.
Manstein war froh, dass das militärisch so wertvolle Armeekorps immerhin von einem erfahrenen Offizier, dem SS-Oergruppenführer Hausser, geführt wurde. Anders stand es um den Divisionskommandeur der „Leibstandarte“, Sepp Dietrich. Dietrich brannte darauf Charkow persönlich wieder zu erobern und Manstein hatte alle Mühe, ihn davon abzuhalten, die Stadt frontal anzugreifen. Bei der Lagebesprechung Mansteins mit den SS-Führern wurde auch deutlich, dass Sepp Dietrich Schwierigkeiten hatte, eine große Lagekarte zu lesen, da ihm viele militärische Zeichen unbekannt waren.
Bei teilweise 30 Grad unter Null und tiefem Schnee, der das Gelände beiderseits der Straßen für motorisierte Verbände fast sperrte, den schlittenbeweglichen Teilen der Roten Armee aber kaum Beschränkungen auferlegte, wurden die Kämpfe mit größter Erbitterung geführt.
Am 21. Februar begann die deutsche Gegenoffensive. Manstein verfügte lediglich über 354 Panzer, wobei ihm etwa 1.800 sowjetische Panzer gegenüberstanden. Bis zum 5. März wurde das Gebiet bis zum mittleren Donez zurückerobert. Es wurden erhebliche Geländegewinne erzielt, einem völlig irritierten Gegner hohe Verluste beigebracht und wieder eine geschlossene Front hergestellt, wodurch der völlige Zusammenbruch der Ostfront im Frühjahr 1943 verhindert wurde. Charkow wurde am 14. März zurückerobert. Es war die letzte erfolgreiche Offensive an der Ostfront. Die deutsche Verteidigungsfront verlief nun wieder entlang des Donez und das Tauwetter und „General Schlamm“ erzwangen das Erstarren der Front.
"Offiziere meutern nicht"
Manstein erhielt dafür das Eichenlaub zum Ritterkreuz. Während und nach der Stalingrad-Krise wurde ein immer stärker werdendes Zerwürfnis zwischen Manstein und Hitler deutlich. Am Widerstand in der Wehrmacht und an einem Staatsstreich gegen Hitler wollte sich Manstein aber nicht beteiligen, da er meinte, dies mit seiner soldatischen Ehre nicht vereinen zu können. Zur Monatswende März/April tauchte in seinem Hauptquartier Oberstleutnant im Generalstab Rudolf-Christian Freiherr von Gersdorff auf, der von Generalfeldmarschall von Kluge, dem OB der Heeresgruppe Mitte zu Manstein geschickt wurde. Gersdorff sollte herausfinden, ob von Manstein zu einer Beteiligung am Widerstand gegen Hitler zu gewinnen wäre. Doch er blitzte mit den Worten „preußische Offiziere meutern nicht“ ab.
Bereits im Februar 1943 diskutierte Hitler mit Manstein die Sommeroffensive, die bei Kursk stattfinden sollte. Dort war ein „Balkon“, wie ihn Manstein nannte, entstanden, der den Russen als Ausgangsbasis für einen neuen Stoß nach Westen dienen konnte. Für eine Beseitigung des „Balkons“ sprach auch eine Frontverkürzung um fast 400 km, die zur Bildung von Reserven führte. Manstein hatte aber noch eine alternative Idee, die wieder einmal sein „operatives Genie“ aufblitzen ließ. Alexander Stahlberg, Mansteins Ordonnanzoffizier, berichtet darüber in seinem Buch „Die verdammte Pflicht“:
Manstein schlug Hitler vor, den Russen eventuell „die Vorhand“ zu lassen, sie also angreifen zulassen und ihnen zu gegebener Zeit in die tiefe Flanke zu fahren. Mit großer Wahrscheinlichkeit wäre in jedem der beiden Fälle so die ganze Südfront wieder in Bewegung gekommen. Und darauf kam es Manstein an. Er strebte die Bewegung an, während Hitler sie scheute. Manstein suchte die militärische Entscheidung, während Hitler sie scheute oder hinauszuzögern trachtete.
Das Wagnis Kursk
Am 5. Juli 1943 begann die Wehrmacht bei Orel und Belgorod ihre letzte Großoffensive an der Ostfront. Ziel der Operation "Zitadelle" gegen den 150 Kilometer langen gegnerischen Frontbogen bei Kursk war die Einschließung sowjetischer Verbände durch eine Zangenbewegung. Nachdem die deutschen Truppen durch sowjetische Offensiven bis Frühjahr 1943 auf eine Frontlinie zurückgeschlagen wurden, die sie bereits im Winter 1941 eingenommen hatten, sollte mit der Operation "Zitadelle" die strategische Initiative im Osten zurück gewonnen werden. Dafür setzten die deutschen Heeresgruppen Mitte und Süd praktisch alles auf eine Karte. Mit rund 900.000 Soldaten, 1.800 Flugzeugen und 10.000 Geschützen wurden noch einmal gewaltige Mengen an Menschen und Material in Stellung gebracht. Die über 2.000 aufgebotenen Panzer machten etwa 70 Prozent des Gesamtbestands an der Ostfront aus.
Der vom Gegner längst erwartete Angriff besaß kein Überraschungsmoment und traf auf ein tief gestaffeltes Verteidigungssystem der Sowjets, die rund 1,35 Millionen Rotarmisten sowie knapp 4.000 Panzer und Sturmgeschütze zusammengezogen hatten. Im Norden stieß die deutsche 9. Armee unter Generaloberst Walter Model nur 10 Kilometer vor. Die 4. Panzerarmee unter Generaloberst Hermann Hoth konnte im südlichen Frontabschnitt einen Raumgewinn von knapp über 30 Kilometern erzielen. Der entscheidende Durchbruch gelang nicht. Stattdessen entwickelten sich die Kampfhandlungen zu einer gewaltigen Abnutzungsschlacht unter Ausnutzung der letzten Reserven. Bei Prochorowka kam es durch den gleichzeitigen Einsatz von insgesamt über 1.200 Panzern zur größten Panzerschlacht des Zweiten Weltkriegs, bei der allein die Wehrmacht über 400 Panzer und 10.000 Soldaten verlor. Nachdem die deutschen Vorstöße zum Stillstand kamen, befahl Adolf Hitler am 13. Juli die Einstellung weiterer Angriffsbemühungen.
Unmittelbar im Anschluß an die Schlacht bei Kursk begannen die sowjetische Südwest- und die Süd-Front am 17. Juli 1943 am Donez bei Isjum und am Mius eine Offensive gegen die deutsche Heeresgruppe Süd. Nachdem die Wehrmacht aufgrund der alliierten Landung auf Sizilien Ende Juli starke Verbände aus dem Osten in den Süden verlegen mußte, weitete sich die Großoffensive nahezu auf die gesamte Ostfront zwischen Asowschem Meer und oberem Dnepr aus. Das überlegene sowjetische Rüstungspotential und das Reservoir an Reserven waren dabei von entscheidender Bedeutung. Die Kampfkraft der deutschen Infanteriedivisionen war durch Gefallene und Verwundete etwa um die Hälfte gesunken. Auch der im Herbst 1943 erstmals im Einsatz erprobte, feuerstärkste Kampfpanzer des Zweiten Weltkriegs "Tiger II" konnte die deutsche Unterlegenheit von 2.300 gegen 8.400 sowjetische Panzer nicht kompensieren.
Mit Hilfe eines immensen Artillerieeinsatzes durchbrachen die Sowjets an sämtlichen Frontabschnitten die deutschen Stellungen. Ende August mußte die Wehrmacht Charkow aufgeben. In wenigen Wochen eroberte die Rote Armee das wirtschaftlich bedeutende Donezbecken und den besonders umkämpften Kuban-Brückenkopf auf der Taman-Halbinsel zurück. Im Eiltempo warfen die Sowjets die Deutschen bis November im südlichen Abschnitt der Ostfront um rund 250 Kilometer nach Westen zurück. Am 6. November befreiten sie die seit September 1941 von deutschen Truppen besetzte ukrainische Hauptstadt Kiew. Zwischen Gomel und Saproshje standen sowjetische Verbände nach der Überquerung des Dnepr auf dem westlichen Flußufer.
Südlich von Welikije Luki an der Nahtstelle der deutschen Heeresgruppen Nord und Mitte schlug die Rote Armee eine tiefe Lücke in die deutsche Front, die sie in der Winteroffensive 1943/44 zu entscheidenden Vorstößen nach Westen nutzen konnte.
Mit einem massiven Angriff bei Kiew in Stoßrichtung Shitomir begann jedoch am 24. Dezember 1943 die sowjetische Winteroffensive gegen die deutsche Heeresgruppe Süd unter Erich von Manstein, welche die Sowjets weit nach Westen voranbrachte. In den nächsten Tagen dehnte sich die Offensive über den gesamten Südabschnitt der Ostfront aus. Gegen die mit starken Panzerverbänden vorrückende Rote Armee gelang den deutschen Truppen nur für kurze Zeit die Verteidigung ihrer Stellungen. Anfang Januar 1944 überschritten die Sowjets die alte polnische Zwischenkriegsgrenze in Wolhynien bis Kowel und Luzk. Am 11. Februar nahmen sie den Verkehrsknotenpunkt Schepetowka westlich von Kiew ein. Südlich der Pripjet-Sümpfe trieben sie damit einen über 300 Kilometer langen Keil zwischen die deutschen Heeresgruppen Süd und Mitte.
Differenzen mit Hitler
Durch eine Umfassungsbewegung nach Süden in Richtung Winniza und Uman schloß die Rote Armee am 28. Januar 1944 zwei bei Tscherkassy stehende deutsche Armeekorps ein. Rund 30.000 deutschen Soldaten gelang Mitte Februar der von Manstein angeordnete Ausbruch nach Westen, etwa weitere 20.000 starben bei dem verzweifelten Versuch, dem Kessel zu entkommen. Obwohl die NS-Propaganda den Ausbruch der nur leicht bewaffneten und vollkommen erschöpften Truppen als Heldentat und als Beweis eines ungebrochenen deutschen Kampfgeists feierte, war er gegen den ausdrücklichen Befehl Adolf Hitlers unternommen worden. Mit der Devise "Halten oder sterben" lehnte Hitler jeden Rückzug auch in völlig aussichtslosen Situationen strikt ab. Nach Mansteins taktischer Rücknahme der ebenfalls von der Einkesselung bedrohten deutschen Einheiten am Frontbogen des unteren Dnepr kam es noch einmal zu heftigen Auseinandersetzungen mit Hitler über die operative Strategie. Während der sowjetischen Frühjahrsoffensive, am 30. März 1944, wurden von Manstein und Feldmarschall von Kleist auf den Berghof Hitlers befohlen, wo sie ihre Entlassungsurkunden erhalten wollten. Manstein sollte von Model, von Kleist durch Schörner ersetzt werden. Als Grund für seine Entlassung, so Manstein zu Stahlberg, hörte er von Hitler, dass „die Zeit der Operationen jetzt vorbei wäre. Jetzt gelte es nicht mehr zu operieren, sondern nur noch zu verteidigen. Und dafür sei Model der richtige Mann, denn der flitze überall an der Front herum, wo es brenne. Model wäre jetzt für die Ostfront der Richtige.“ Unter gleichzeitiger Verleihung des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern und der Versicherung Hitlers, ihn als Oberbefehlshaber West nach der Wiederaufnahme offensiver Operationen wieder zu verwenden, wurde das zerrüttete Verhältnis beendet.
Anschließend begab sich Manstein in die Universitätsaugenklinik von Breslau, um sein chronische Leiden zu kurieren. Danach fuhren er und seine Familie zur Nachkur nach Dresden. Am 20. Juli 1944 verübte Stauffenberg das Attentat auf Hitler. Manstein wusste von den Plänen der Verschwörer, hatte aber, obwohl er einem Wechsel an der Spitze des Staates zustimmte, wollte er sich seines Eides wegen nicht daran beteiligen. Nach dem Krieg legitimierte Manstein dazu in seinen Memoiren 1955, „das Entscheidende sei die Hingabe, die Tapferkeit, die Treue, die Pflichterfüllung des deutschen Soldaten und die Verantwortungsfreudigkeit wie das Können der Führer aller Grade gewesen“. Aus diesen Gründen versagte sich Manstein dem militärischen Widerstand.
Nach dem Kuraufenthalt in Dresden kehrte Manstein in sein Haus im schlesischen Liegnitz zurück. Doch bereits am 20. Januar bedrohen die Sowjets Schlesien und Manstein sah sich gezwungen, ein neues Domizil, diesmal in der Lüneburger Heide bei Celle aufzusuchen. Dort stellte er sich am 8. Mai 1945 dem britischen Feldmarschall Montgomery.
Als Zeuge in Nürnberg
Zu Beginn der Nürnberger Prozesses wurde er zunächst als Zeuge der Anklage nach Nürnberg gebracht; dort verfasste Manstein gemeinsam mit Walther von Brauchitsch, Franz Halder, Walter Warlimont und Siegfried Westphal eine der Geschichte des Heeres seit 1918 gewidmete Denkschrift. Sie sollte auf Anforderung der amerikanischen Anklage „ein möglichst klares Bild auf diesen Gebieten“ vermitteln. Als Wehrmacht und Generalstab nicht als „verbrecherische Organisation“ verurteilt wurden, fühlt Manstein „eine große Genugtuung.“
Anschließend internierten ihn die Briten im "Special Camp 11" in Bridgend. Die Briten hatten nicht vor und sahen auch keine Grundlage, Manstein anzuklagen. Die Russen bestanden jedoch auf eine Auslieferung und erst wegen dieses Druckes entschlossen sich die Briten Manstein vor ein britisches Militärtribunal im Hamburger Curiohaus zu stellen. Denn selbst die Briten hatten „nur“ ein juristisches, kein politisches Interesse an einem Prozess. Churchill wollte den Ostexperten sogar für seinen Kampf gegen den Bolschewismus nutzen. Deswegen spendete ausgerechnet der ehemalige Kriegsgegner Geld, damit sich von Manstein für seinen Prozess in Hamburg nicht nur deutsche Anwälte, sondern auch die besten englischen leisten konnte.
Der Kommissarbefehl
Der prominente britische Strafverteidiger Reginald Thomas Paget argumentierte, dass Manstein vom Genozid in seinem Befehlsbereich nichts gewusst hätte und er den „Kommissarbefehl“, der die Erschießung der kommunistischen Kommissare der Roten Armee forderte, zwar erhalten, ihn aber nicht ausgeführt habe. Doch ein Befehl Mansteins ließ die Mär vom Soldat mit der weißen Weste in Luft aufgehen. Am 20. November 1941 wandte er sich in Anlehnung der Reichenau Order in einem Tagesbefehl an seine Truppe. Darin heißt es auszugsweise:
Der deutsche Soldat hat daher nicht allein die Aufgabe, die militärischen Machtmittel dieses Systems zu zerschlagen, er tritt auch als Träger einer völkischen Idee und Rächer für alte Grausamkeiten, die ihm und dem deutschen Volk zugefügt werden, auf Die Ernährungslage der Heimat macht es erforderlich, dass sich die Truppe weitestgehend aus dem Lande ernährt und dass darüber hinaus möglichst große Bestände der Heimat zur Verfügung gestellt werden. Besonders in den feindlichen Städten wird ein großer Teil der Bevölkerung hungern müssen. Trotzdem darf es aus missverstandener Menschlichkeit nichts von dem, was die Heimat unter Entbehrungen abgibt, an Gefangene und Bevölkerung - soweit sie nicht im Dienst der deutschen Wehrmacht stehen - verteilt werden.
Das Judentum ist wie ein Mittelsmann zwischen dem Feind im Rücken und den noch kämpfenden Resten der Roten Armee und der Roten Führung. Es sitz in allen Schlüsselstellungen der Führung, der Administration, des Handel und Handwerks und bildet ein Keim ewiger Unruhe und möglicher Aufstände. Das jüdisch-bolschewistische System muss ein für alle mal ausgerottet werden und sollte nie wieder die Erlaubnis erhalten, in den europäischen Lebensraum einzudringen.
Für die Notwendigkeit der Sühne am Judentum, dem geistigen Träger des bolschewistischen Terrors muss der Soldat Verständnis aufbringen. Sie ist auch notwendig, um alle Erhebungen, die meist von Juden angezettelt werden, im Keime zu ersticken.
Das Judentum ist wie ein Mittelsmann zwischen dem Feind im Rücken und den noch kämpfenden Resten der Roten Armee und der Roten Führung. Es sitz in allen Schlüsselstellungen der Führung, der Administration, des Handel und Handwerks und bildet ein Keim ewiger Unruhe und möglicher Aufstände. Das jüdisch-bolschewistische System muss ein für alle mal ausgerottet werden und sollte nie wieder die Erlaubnis erhalten, in den europäischen Lebensraum einzudringen.
Für die Notwendigkeit der Sühne am Judentum, dem geistigen Träger des bolschewistischen Terrors muss der Soldat Verständnis aufbringen. Sie ist auch notwendig, um alle Erhebungen, die meist von Juden angezettelt werden, im Keime zu ersticken.
Doch Manstein veröffentlichte diesen Befehl nicht ohne einen Zusatz, der besagte, dass “ernste Schritte gegen die eingeleitet werden würden, die eigenmächtig und im Eigeninteresse handelten, die gegen Barbarei und Undiszipliniertheit und unehrenhafte Verletzung der Soldatenehre verstießen, sowie gegen solche, die fremden Religionen, insbesondere gegenüber den muslimischen Krimtataren respektlos verhielten.“ Das Dokument wurde am 10. August 1946 von Ankläger Telford Taylor vorgelegt und von Manstein bestätigt. Er behauptete jedoch, sich an diesen nicht mehr erinnern zu können. Dieser Befehl war ein wichtiges Beweisstück für die Anklage. Im Prozessverlauf konnte von Manstein nicht glaubhaft nachweisen, Widerstand gegen die Vernichtungspolitik geleistet zu haben. Vielmehr traten manche Übereinstimmungen mit nationalsozialistischem Gedankengut offen zu Tage. Die Verteidigung zielte darauf ab, die Rechtmäßigkeit des Prozesses anzuzweifeln und die Ehre der Wehrmacht unbefleckt erscheinen zu lassen. Sie bestritt jede individuelle Schuld des Angeklagten, betonte die Ohnmacht des in Befehlsstrukturen eingebundenen Generalfeldmarschalls und relativierte mehrere Anklagepunkte durch Verweis auf ein tu quoque (du auch) bei den Siegermächten.
Sein Schlussplädoyer beendet Paget mit folgenden Worten: „"Für Deutschland wird Manstein niemals ein Kriegsverbrecher sein. Er ist ein Held seines Volkes und wird es bleiben. Er war der Baumeister des deutschen Sieges und der Hektor in Deutschlands Niederlage"
Paget gelang es, Manstein in acht Punkten freizusprechen. Am 19. Dezember 1949 verurteilte das Gericht Manstein zu 18 Jahren Haft. Die Begründung lautete:
seine Aufsichtspflicht als Oberbefehlshaber vernachlässigt und damit den Völkermord mitgetragen, bzw. nicht verhindert zu haben,
sowjetische Kriegsgefangene und Zivilisten dazu benutzt zu haben, militärische Befestigungen zu bauen und Minenfelder zu räumen,
für die Deportation von Zivilisten aus dem Gebiet seines militärischen Befehlsbereiches,
für die Misshandlung und Erschießung von sowjetischen Kriegsgefangenen, ihre Übergabe an den SD, ihre gesetzeswidrige Behandlung als „Partisanen“ und die Ermordung der sowjetischen Kommissare,
die Erschießung von Zivilisten als Vergeltung durch Untergebene zugelassen zu haben.
seine Aufsichtspflicht als Oberbefehlshaber vernachlässigt und damit den Völkermord mitgetragen, bzw. nicht verhindert zu haben,
sowjetische Kriegsgefangene und Zivilisten dazu benutzt zu haben, militärische Befestigungen zu bauen und Minenfelder zu räumen,
für die Deportation von Zivilisten aus dem Gebiet seines militärischen Befehlsbereiches,
für die Misshandlung und Erschießung von sowjetischen Kriegsgefangenen, ihre Übergabe an den SD, ihre gesetzeswidrige Behandlung als „Partisanen“ und die Ermordung der sowjetischen Kommissare,
die Erschießung von Zivilisten als Vergeltung durch Untergebene zugelassen zu haben.
Der berühmte britische Militärhistoriker Liddell Hart beendete seinen Leserbrief zum Manstein-Prozess vom 11.01.1950 in der "Times" mit den Worten:
"Ich habe die Kriegsgeschichte lange genug studiert, um zu wissen, dass nur wenige Männer, die in einem harten Kampf Armeen geführt haben, eine so genaue Prüfung ihrer Taten und Worte hätten bestehen können wie Manstein. Seine Verurteilung erscheint als ein krasses Beispiel von großer Unwissenheit oder großer Heuchelei"
"Ich habe die Kriegsgeschichte lange genug studiert, um zu wissen, dass nur wenige Männer, die in einem harten Kampf Armeen geführt haben, eine so genaue Prüfung ihrer Taten und Worte hätten bestehen können wie Manstein. Seine Verurteilung erscheint als ein krasses Beispiel von großer Unwissenheit oder großer Heuchelei"
Die Haftstrafe wurde später auf zwölf Jahre herabgesetzt, außerdem wurde ein Teil der Untersuchungshaft angerechnet. Aufgrund eines Augenleidens erhielt von Manstein 1952 Haftverschonung; offiziell wurde er im Jahr 1953 aus der Haft entlassen.
Adenauers militärischer Berater
Unter Konrad Adenauer wurde Manstein wieder aktiviert. Bevor im Bundestag über den Gesetzesentwurf über die Wiedereinführung der Wehrpflicht der Regierung abstimmt wurde, gab das Parlament ein Gutachten zur Frage "Wehrpflicht oder Berufsheer" in Auftrag. Der angefragte Experte war Hitlers ehemaliger Generalfeldmarschall Erich von Manstein, dem dafür Anfang Juni 1956 ein Dienstzimmer im Bundesverteidigungsministerium zur Verfügung gestellt wurde. In seinen Nachkriegsmemoiren, die unter dem sinnigen Titel "Verlorene Siege" 1955 erschienen und zu einem sensationellen Verkaufserfolg wurden, nährte er den Mythos vom deutschen Soldaten als bestem Soldaten, zumindest was den Bereich der Generalität betraf. Sein Credo lautete: Die Wehrmacht hätte den Krieg gewonnen, wenn a) Hitler deren glänzende Siege nicht durch nachfolgende dilettantische Fehlentscheidungen ins Gegenteil verkehrt hätte und b) der Diktator nicht die Sieg bringenden Planungen der militärischen Führung grundlos verworfen hätte. So konnte er nach dem Krieg zum militärischen Berater der Bundesregierung avancieren, dem zu seinem 80. und 85. Geburtstag militärische Ehrungen durch die Bundeswehr zuteil wurden. 1967, an seinem 80. Geburtstag veröffentlichte die Bundeswehr eine Festschrift mit dem Titel „Nie außer Dienst“.
Als er 1973 nach einem langen und so erfüllten Leben im Alter von 86 Jahren starb, stand eine Ehrenformation der Bundeswehr an seinem Grab.


































