Unbekannte Schönheiten

Blick auf Kiew vom Glockenturm der Sophiakathedrale
Die Ukraine ist mit einem Territorium von 603 700 km² flächenmäßig der größte Staat in Europa. Es grenzt an Russland und Weißrussland im Osten und Norden, an Polen, die Slowakei und Ungarn im Westen sowie an Rumänien und Moldawien im Süden. Die Karpaten im Westen und das Schwarze Meer sowie das Asowsche Meer im Süden bilden eine natürliche Grenze. Als wasserreichster und zugleich ökonomisch wichtigster Fluss durchzieht der Dnipro (Dnjepr) das Land von Nord nach Süd. In der Vergangenheit bildete er zugleich eine Grenzlinie, die das Land in Regionen mit unterschiedlicher historischer Entwicklung teilte. Der größte Teil des ukrainischen Territoriums besteht aus einer Tiefebene mit fruchtbaren Schwarzerdeböden. Es herrscht gemäßigt kontinentales Klima.
Kiew ist eine der schönsten und ältesten Städte Osteuropas: die Hauptstadt des jungen Staates Ukraine, hat eine mehr als tausendjährige Geschichte. Sie war die Wiege des russischen Staates, der legendären "Kiewer Rus", hier liegen die Ursprünge der russischen Orthodoxie.
Kiew wurde als Burg vor ca. 1.500 Jahren gegründet und war seither administratives, politisches und religiöses Zentrum. In der Blütezeit unter Großfürst Jaroslaw im 12. Jahrhundert war es eines der größten Stadtzentren des mittelalterlichen Europas. Seit dem 13. Jahrhundert fiel das Land und damit die Stadt in ständig wechselnde Abhängigkeiten, am Ende zu Russland und der Sowjetunion. Erst seit 1991 ist Kiew Hauptstadt des selbständigen Staates Ukraine. Als Sitz der Staatsregierung und Verwaltungszentrum des Landes befindet sich in Kiew auch der Mittelpunkt des ukrainischen Kulturlebens, wozu zahlreiche Museen und Theater gehören. An der Universität und den anderen 35 Hoch- und Fachschuleinrichtungen gibt es 165 000 Studenten. Entsprechend seiner Bedeutung besitzt Kiew eine große Zahl an Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören die Altstadt mit historischen Zeitzeugen aller Epochen, das 1057 gegründete Höhlenkloster Lawra mit Baudenkmälern aus acht Jahrhunderten, die Sophien Kathedrale, ein UNESCO Weltkulturerbe, oder das Goldene Tor in den Verteidigungsanlagen.
Schon die russischen Zaren wussten die landschaftlichen Reize zu schätzen, die besonders die Südküste der Halbinsel Krim aufweist Die Halbinsel Krim liegt im Süden der Ukraine ungefähr auf der Höhe wie Norditalien und Südfrankreich. Die Krim ist mit dem ukrainischen Festland durch die Landenge von Perekop verbunden, die an ihrer schmalsten Stelle nur 8 km breit ist. Das Asowsche Meer im Nordosten bildet hier die Bucht von Siwasch, die durch die über 100 km langen Landzunge Arbatskaja vom offenen Meer abgetrennt wird.
Die Krim war Schauplatz vieler bedeutender Schlachten und Kriege. Bis in die jüngste Vergangenheit wurde hier "Geschichte gemacht". Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wurde die Krim, die seit 1954 offiziell zur Ukrainischen SSR gehört hatte, zum politischen Zankapfel zwischen den nun unabhängigen Staaten Russland und Ukraine. Die Zugehörigkeit der Krim, der Status Sewastopols und die Aufteilung der Schwarzmeerflotte standen im Mittelpunkt dieser Auseinandersetzungen. Hinzu kam die Rückkehr der 1944 von Stalin deportierten Krimtataren, die die Region vor neue politische, wirtschaftliche und soziale Fragen stellte.
Mit der Krim verbinden sich die Namen berühmter russischer Schriftsteller wie Puschkin, Tschechov und Tolstoj – sie alle ließen sich von der Naturschönheit und dem milden Klima inspirieren. Vom verträumten, aber auch mondänen Refugium des russischen Adels und der Intelligenz im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Schwarzmeerhalbinsel mit ihren Badeorten und Sanatorien während der Sowjetzeit zum Erholungsziel der "Werktätigen".
 

Historischer Hintergrund

Yalta
Die Krim wurde zwischen 1853 und 1856 zum ersten Mal ein größerer Kriegsschauplatz, als zwischen Russland einerseits und dem Osmanischen Reich, Frankreich, Großbritannien und ab 1855 auch Piemont-Sardinien der neunte russisch-türkischer Krieg wütete. Der Versuch Russlands, sein Gebiet auf Kosten des zerfallenden Osmanischen Reiches zu vergrößern, wurde durch den Einsatz der Alliierten verhindert. Der Krimkrieg gilt als erster der modernen Stellungskriege. Ein Angriff der britischen Leichten Brigade erlangte auf Grund ihrer großen Verluste und der Verwirrungen bei der Befehlsübermittlung, die zum Angriff geführt hatten, eine tragische Berühmtheit. Der Krimkrieg ist heute im historischen Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit fast verdrängt, obwohl er militärhistorisch und politisch für die Machtentwicklung und -verteilung unter den europäischen Staaten eine hohe Bedeutung hat.
Die Krim geriet wieder mit dem Beginn des Unternehmens Barbarossa, Deckname für den deutschen Angriff im Jahr 1941 auf die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg, in den Fokus der Weltgeschichte. Nach den raschen Erfolgen der Wehrmacht zu Beginn des Russlandfeldzugs befahl Hitler im September 1941 die vollständige Eroberung der Ukraine. Dazu schwenkte die Panzergruppe 2 der Heeresgruppe Mitte nach Süden ab, um die zwischen Dnjepr und Kiew aufgestellten fünf sowjetischen Armeen in einer Kesselschlacht zu umfassen.
Die deutsche 17. Armee und 6. Armee der Heeresgruppe Süd und die 2. Armee der Heeresgruppe Mitte setzten ab Mitte September mit der Umfassung der gegnerischen Verbände an. Am 19. September fiel Kiew. Seit Oktober 1941 waren große Teile der Krim von der deutschen 11. Armee unter Generaloberst Erich von Manstein und rumänischen Verbänden besetzt. In dem Befestigungslabyrinth von Sewastopol hielten sich jedoch noch über 100.000 sowjetische Soldaten verschanzt.
Die vollständige Besetzung der Stadt und des Hafens stieß nach dem Angriff auf die sowjetische Flanke auf nur noch geringen Widerstand. Am 1. Juli 1942 war die letzte Bastion der Roten Armee auf der Krim von den Deutschen erobert. Mit dem Fall des südwestlich der Festung gelegenen Brückenkopfs Chersones drei Tage später war die Halbinsel vollständig in deutscher Hand.
Am 18. Februar, zweieinhalb Wochen nach der deutschen Kapitulation von Stalingrad, rief Propagandaminister Joseph Goebbels den "Totalen Krieg“ aus. An der Ostfront war die Wehrmacht in die Defensive geraten. Ihre Rückzugsstrategie der "verbrannten Erde" oder das sinnlose Verteidigen von nicht haltbaren Stellungen wurden nur noch gelegentlich unterbrochen von kleineren Teiloffensiven. Auch die letzte deutsche Großoffensive "Zitadelle" mit der größten Panzerschlacht des Kriegs bei Kursk blieb nach nur wenigen Kilometern in der tief gestaffelten gegnerischen Verteidigung stecken. Der unmittelbar darauf einsetzenden sowjetischen Sommeroffensive 1943 in den südlichen Frontabschnitten zwischen Asowschem Meer und Dnepr gelangen dagegen tiefe Einbrüche in die deutschen Verteidigungsstellungen. Anfang November waren weite Teile der Ukraine einschließlich Kiews von der Roten Armee zurückerobert.